norwegen 2Auslandserfahrung sammeln -
Mit diesem Leitsatz habe ich, zusammen mit einem weiteren Berufsschüler der Peter-Lenné-Schule, einen Monat lang ein Auslandspraktikum in Oslo absolviert. Angeboten durch das Leonardo da Vinci Programm bin ich durch Aushänge an der Berufsschule darauf aufmerksam geworden, dass die Möglichkeit besteht im Rahmen der Ausbildung Garten- und Landschaftsbau ein Auslandspraktikum durchzuführen.

Hierbei standen verschiedene Zielorte zur Auswahl. So war es möglich, nach Wintzenheim in Frankreich, Rovaniemi in Finnland, Melnik in der Tschechischen Republik und eben Oslo in Norwegen zu reisen und dort in einem Betrieb des Garten- und Landschaftsbaus zu arbeiten. Der Abteilungsleiter Herr Schön kümmert sich schon mehrere Jahre lang, den Kontakt zu ausländischen Betrieben zu halten und es so den Schülern der Berufsschule zu ermöglichen diese Chance zu nutzen und mit der Zustimmung des eigenen Betriebs sich in neuen Betrieben Arbeitserfahrung anzueignen. Herr Schön sorgt dafür, dass den Auszubildenden genügend Informationen über Ablauf, bisherige Auslandspraktika, An- und Rückreise, Unterkunft, Verpflegung, Reisekosten und eventuell anstehende Fragen zur Verfügung stehen. Die Abwicklung mit den jeweiligen Projektträgern sowie dem finanziellen Förderer wird ebenso durch die Schule getätigt. Der Berufsschüler selbst kann somit ziemlich stressfrei dem Auslandspraktikum entgegensehen. Der Förderer ist das bereits erwähnte Leonardo da Vinci Programm, ein EU-Bildungsprogramm für den Lehraufenthalt im europäischen Ausland. Dadurch, dass den Teilnehmern vorab ein kalkulierter Betrag für die Lebenshaltungskosten auf ihr Bankkonto überwiesen wird, muss sich der Auszubildende auch keinen quälenden Gedanken über die Finanzierung machen.

Das Auslandspraktikum in Oslo ist zum Herbst 2014 das erste Mal angeboten worden, weshalb auch noch keine genauen Praxiserfahrungen anderer Berufsschüler zu dem Praktikumsbetrieb vorlagen. Im September war es dann so weit, alles persönlich kennenzulernen.
Der Praktikumsbetrieb Steen & Lund ist ein Bauunternehmen, welches für den Bau und die Pflege von Privatgärten, insbesondere aber für Aufträge der Stadt zuständig ist. Angenehmerweise wussten wir schon vorher, dass unsere Betreuungsperson bei Steen & Lund ein Deutscher ist, der seit Anfang der 2000er in Norwegen lebt und dort arbeitet, weshalb wir Herrn Schubert ohne Sprachbarrieren konkrete Fragen stellen und auch anstehende Kommunikationsprobleme schnell beheben konnten. Allerdings ist es durch die sehr guten Englischkenntnisse der Norweger auch hier selten zu Verständigungsproblemen gekommen. Die Unterkunft für uns beide wurde durch die Schulleiterin der dortigen Berufsschule Frau Eftevag bereitgestellt. In ihrem Haus im südlichen Teil von Oslo hat sie ein Gästezimmer für uns eingerichtet und uns ihre Küche zur Verfügung gestellt, wodurch eine Selbstverpflegung einfach zu bewerkstelligen war.

Die Arbeit an sich bei der Firma Steen & Lund hat sich bei uns hauptsächlich auf Pflegetätigkeiten in Privatgärten und Parkanlagen beschränkt, da bei anderen Baustellen meistens ein spezielles Visum für Auslandsarbeiter ausgestellt werden muss. Nichtsdestotrotz war die Arbeit immer abwechslungsreich und spannend. Als große Hilfe erwies sich das bereigestellte Auto der Firma Steen & Lund, welches uns über die vier Wochen komplett zur Verfügung stand. Selbstständig konnten wir verschiedene Parks, Gärten und Baustellen anfahren und auszuführende Arbeiten erledigen. Ebenfalls war somit der gut zwanzig Kilometer lange Arbeitsweg auf die Halbinsel Fornebu im Westen von Oslo erträglich. Gleich neben der Niederlassung auf der Halbinsel Fornebu befindet sich auf dem ehemaligen Gelände des Flughafens der Nansen Park, für welchen Steen & Lund nach dem Bau nun mit der Pflege beauftragt ist. Hier war auf Grund der vorwiegenden Grünflächen der Rasenmäher das Haupteinsatzmittel. Eine weitere Dependance der Firma war angeschlossen an den Frognerpark. Hauptaufgabe der Belegschaft war hier ebenfalls die Pflege des Frognerparks und des Vigelandparks, der vor allem durch die bekannten Skulpturen des Bildhauers Gustav Vigeland eine touristische Attraktion in Oslo ist. Hinzu kommt die Pflege der Rosenanlage an jenem Ort, die die meisten Rosensorten in Norwegen zählt. In dieser Zweigstelle haben wir auch drei Auszubildende der Firma kennenglernt. Zusätzlich ist Steen & Lund beispielsweise noch mit der Pflege des Slottsparken mit dem anschließenden Schloss, der Residenz des Königs, und auch dem firmeneigenen Park des größten Herstellers von Schokolade in Norwegen beauftragt.

Interessanterweise arbeiten in Norwegen viele Polen als Saisonarbeiter in der Branche des Garten- und Landschaftsbaus, was für uns wiederum doch zu ein paar Kommunikationsproblemen geführt hat. Die Verständigung auf der Baustelle oder bei den Pflegeaufträgen wurde somit auch oft per Zeichensprache durchgeführt, falls kein englischsprechender Norweger oder Herr Schubert vor Ort war.

Ein typischer Arbeitstag bestand darin, dass nach Ankunft aller Arbeitskräfte besprochen wurde, welche Aufträge heute erledigt werden müssen und wer was bearbeitet. Danach wurde mit entsprechender Ausrüstung die jeweilige Baustelle angefahren, wobei öffentliche und private Aufträge gleichermaßen anstanden. Sei es die Beseitigung von Hecken, Büschen und Wiese mittels Freischneidern und Baumpflanzungen bei einem Bahnhof oder Instandhalten von großen Gärten in einem Villenviertel.

Erwähnenswert ist die Arbeit mit Flexotop. Flexotop wird aus Altreifen hergestellt und ist bei der Anwendung ein Gummigemisch aus Altreifen und einem speziellen Flüssigkleber. Nach dem Erwärmen des Klebers in einem rotierenden Fass werden die in Granulat geschredderten Altreifen hinzugegeben und beides vermischt. Danach haben wir diese Mischung auf eine eingeschalte Fläche ausgebracht und in unserem Fall auf eine Höhe von 15 Millimeter abgezogen. Eine Glättkelle hilft für eine gleichmäßige Verdichtung. Nach dem Erhärten stellt Flexotop einen nachgebenden Untergrund ohne große Verletzungsgefahr dar, ähnlich den Fallschutzböden hier. Wir konnten uns bei dem Bau eines Spielplatzes selbst daran versuchen Flexotop zu verarbeiten und auszubringen.

Insgesamt war das Auslandspraktikum ein voller Erfolg für mich. Es hat mir wertvolle Einblicke in Arbeitsweise, aber auch allgemein Kultur und Leben in einem anderen Land gewährt. In Bezug auf die Arbeitsweise, Arbeitseinstellung und Arbeitszeiten konnte ich viele Gemeinsamkeiten gegenüber Deutschland feststellen. Die Arbeitszeiten waren mit einer halbstündigen Mittagspause fast identisch zu meinen Arbeitszeiten hier. Es wurde bei den Arbeiten selbst mit Humor, aber immer zielführend gearbeitet und jeder Auftrag zu Ende gebracht, auch wenn das Überstunden bedeutete. Im Hinblick auf Arbeitssicherheit ist Norwegen ebenfalls vorbildlich. Es wurde stets darauf geachtet, dass wir den Bestimmungen entsprechend ausgerüstet sind.
Zusammenfassend habe ich in diesem Praktikum sehr viel über selbstständiges Arbeiten gelernt. Auch für das Erlernen von klar definierter Zeiteinteilung der anstehenden Arbeiten bin ich diesem Auslandsaufenthalt dankbar. Ich persönlich kann nur jedem anderen Auszubildendem raten, ein Auslandspraktikum in Betracht zu ziehen und diese interessante Erfahrung zu machen.

Text und Foto: Tim Bocheneck