Als Landschaftsgärtner in Saudi-Arabien

liebetrau01Immer wieder erhalten wir Lebenszeichen von Absolventen der Peter-Lenné-Schule, die es „in die Ferne verschlagen hat", wobei dieser Begriff relativ ist und manchmal Süddeutschland, manchmal Frankreich oder die Schweiz meint. Schon seltener sind Berichte, die von „ganz weit weg" kommen, und einen von dieser Art schickte uns kürzlich Reimer Liebetrau. Nach seiner Ausbildung zum Techniker im Garten- und Landschaftsbau an unserer Fachschule fasste er den Entschluss, Berufserfahrungen als Landschaftsgärtner in Saudi-Arabien zu sammeln. Im September 2011 konnte er seinen Plan realisieren.


Warum im Ausland arbeiten?

Die grundsätzliche Frage, die man sich stellen sollte, wenn man es in Betracht zieht, im Ausland zu arbeiten, ist: „Warum möchte ich das machen?"

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Sonnenuntergang im Thumama-Park

Einerseits bringt es einen beruflich weiter, man sammelt neue Erfahrungen in Bezug auf seine Arbeit, lernt neue Techniken kennen, arbeitet mit anderen Materialien. Auch die Kompetenz, was Fremdsprachenkenntnisse angeht, wird meist stark verbessert. Man wird aus solch einer Tätigkeit mit gestärktem Selbstvertrauen hervorgehen, zeigt auch dem zukünftigen Arbeitgeber auf dem eigenen Lebenslauf, dass man flexibel ist und bereit, eigenständig Probleme und Aufgaben zu bewältigen.

Auch birgt die Tatsache, dass man im Ausland tätig war, die Chance, aus der Masse von Bewerbern um eine Stelle herauszustechen – und einen guten Einstieg in Bewerbungsgespräche. Hier kann man seine Erfahrungen einbringen und vor allem erste positive Eindrücke beim potenziellen Arbeitgeber hinterlassen.

Der zweite große Beweggrund für eine Tätigkeit im Ausland ist das Kennenlernen einer anderen Kultur, interessanter Menschen und der meist einzigartigen Landschaft, die dieses Land zu bieten hat. Man baut Vorurteile ab, macht sich sein eigenes Bild. Länder, Völker und Ansichten, die vorher fremd und zum Teil unverständlich waren, erhalten nun durch direkten Kontakt mit der Bevölkerung vor Ort ein Gesicht, Namen und eine Geschichte.

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VIP-Garten des saudischen Königs in Riad

Auch birgt das Ausland ein Abenteuer. Den Ausbruch aus bestehenden, vielleicht zum leidigen Alltag gewordenen Strukturen, der tägliche monotone Gang zur Arbeit, die gleichen Gesichter und Aufgaben, die verloren gegangene Herausforderung. Ein anderer und nicht unerheblicher Grund im Ausland zu arbeiten ist natürlich auch... der finanzielle.

Je nachdem, in welches Land einen die Suche nach einem Tapetenwechsel verschlägt, sind die Verdienstmöglichkeiten größer oder kleiner. In Ländern, in denen der Gartenbau noch in den Kinderschuhen steckt oder die Ausbildung nicht, wie z.B. bei uns in Deutschland, einen recht hohen Standard hat, sind die Möglichkeit durch die eigene sehr gute Ausbildung einen entsprechend höheren Verdienst als im Heimatland zu erzielen. Die Versteuerung dieses Geldes in Deutschland ist dann ein Thema für sich.

 

Tipps zum Arbeiten im Ausland

Auch am Arbeiten im Ausland interessiert? Ausführliche Tipps und Erfahrungen von Reimer Liebetrau zu Arbeitssuche, Bewerbung, Aufenthaltserlaubnis, Versicherung usw. finden Sie hier.

 

Infos über Saudi-Arabien

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König Abdullah ibn Abd al-Aziz (1)

Das Königreich Saudi-Arabien liegt in Vorderasien auf der Arabischen Halbinsel zwischen dem Roten Meer und dem Persischen Golf. Mekka und Kaaba sind dort zu finden und gehören zu den heiligsten Stätten des Islam, in der Stadt Medina befindet sich die Ruhestätte des Propheten Mohammed.

Saudi-Arabien ist eine absolutistische Monarchie und wird von König Abdullah ibn Abd al-Aziz regiert. Das Oberhaupt der königlichen Familie Saud gilt als vorsichtiger Modernisierer. Seine Kopfbedeckung wird übrigens Kufiya genannt, Igal der schwarze Ring, der die Kufiya hält.

Hauptstadt und Sitz der königlichen Familie ist Riad. Für die Stadt gibt es mehrere Schreibweisen (Riad, Riyadh, Riyad usw.), die selbst in Saudi-Arabien nicht einheitlich benutzt werden. Die Landessprache ist Arabisch, die „Geschäftssprache" Englisch.

Das Klima unterscheidet sich erheblich von dem in Europa. In den Sommermonaten von April bis August können die Temperaturen auf über 50 Grad ansteigen, im Winter hingegen in den Minusbereich fallen. 

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Sandsturm über Saudi-Arabien (2)

Die meiste Zeit des Jahres herrscht ein sehr trockenes Klima. Nur im Zeitraum zwischen November und Januar kann es zu teilweise sehr heftigen Regenfällen kommen, die dann die sogenannten Wadis (Flussläufe) überschwemmen, die den Rest des Jahres trockenliegen. Innerhalb von Minuten kann dann eine Querstraße oder eine Brücke übers Wadi von reißenden Wassermassen überschwemmt werden, die vielleicht 100 - 200 km weiter niedergegangen sind.

Außerdem treten im Frühjahr die gefürchteten Sandstürme auf, die eine Höhe von mehreren hundert Metern erreichen können und auch eine ganze Stadt einhüllen können.

Die Religion in Saudi-Arabien ist der Islam. Sie richtet sich nach dem Koran und der Sunna (Texten des Gesandten). In Saudi-Arabien herrschen hinsichtlich des Tagesablaufs andere Regeln als in nicht islamisch geprägten Ländern. Es wird fünf Mal am Tag in Richtung Mekka gebetet. Zum Sonnenaufgang, gegen 12 Uhr, um 15 Uhr, zum Sonnenuntergang und das letzte Gebet gegen 19 Uhr. Die Gebete dauern jeweils ca. 20-30 Minuten und während dieser Zeit sind alle Geschäfte geschlossen und so das möglich ist, ruht jegliche Arbeit.

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Abaya (3)

Saudi-Arabien ist ein besonders strenggläubiges und islamisch-konservativ geprägtes Land. Die Gesetze sind sehr streng, vor allem was die Einfuhr von Alkohol, Schweinefleisch, religiöser Schriften gleich welcher Art, Drogen und pornographischem Material anbelangt, wobei letzteres sehr eng ausgelegt werden kann. Mode-Zeitschriften aus Deutschland, z. B. mit der Abbildung einer Frau im Bikini, werden hier schon als anstößig bewertet und man sollte daher Mitgebrachtes vor der Einreise einer kritischen Prüfung unterziehen und im Zweifelsfall zuhause lassen, um sich Ärger zu ersparen.

Auch sollte die Kleidung nicht zu freizügig sein. Bei Männern: langärmlige Hemden, lange Hosen. Bei Frauen am besten eine sogenannte Abaya - ein langes schwarzes traditionelles Gewand, das alle Frauen in Saudi-Arabien tragen und das bis auf einen kleinen Teil des Gesichtes alles blickdicht verhüllt. Bei Frauen aus dem Ausland wird es akzeptiert, wenn sie das Gesicht nicht bedecken, besser ist aber, eine große Sonnenbrille tragen und Körper und Haar zu bedecken. Eine Abaya kann in der jeweiligen Botschaft ausgeliehen werden.

Eine weitere Besonderheit, wichtig für einen Aufenthalt in Saudi-Arabien, ist die Tatsache, dass die linke Hand als unrein betrachtet wird und dass man es als Europäer beim Essen unbedingt vermeiden sollte mit der linken Hand zu essen.

Das Abenteuer beginnt

Mit der typischen saudischen Verspätung traf mein Pass mit eingeklebtem Visum erst recht kurz vor der Abreise aus Deutschland ein. An einem sonnigen Donnerstag Mitte September ging es dann mit dem Flugzeug um 8 Uhr morgens von Berlin nach Frankfurt. Dort gabelte mich ein schon länger in Saudi-Arabien für meinen Arbeitgeber Bödeker Partners tätiger Kollege auf und wir flogen gemeinsam nach Riad. Er konnte mir die ersten Fragen zum weiteren Ablauf beantworten.

Nachdem wir in Riad ankamen, holte uns ein bestellter Fahrer ab, ein netter alter Mann aus Bangladesch. Bei Gesprächen mit ihm merkte ich schon, dass ich an meinem Englisch noch sehr arbeiten musste. Dann ging es erstmal ins „Diplomatic Quarter", eine seit den Anschlägen vom 11. September 2001 gut bewachte Diplomatenstadt, 900 ha groß und für 35.000 Einwohner konzipiert. Vor dem Attentat auf die Türme in New York war hier alles offen, und die Bevölkerung von Riad nutzte die vorhandenen Grünanlagen am Wochenende als Public Park. Angekommen im Tuwaiq Palace, einem Hotel in einmaliger Bauweise, ging es erst einmal ins Office und zum Chef, ein Holsten zur Begrüßung trinken... natürlich alkoholfrei.

In den nächsten Tagen ging das Abenteuer dann richtig los. Wir besuchten in den ersten zwei Wochen gefühlt de Hälfte der Einwohner von Riad. Ich schrieb mir die Namen auf, versuchte mir Gesichter einzuprägen und verzweifelte etwas an meinem Englisch, was bei dem starken Akzent der Gesprächspartner unterschiedlicher Herkunft auf eine harte Probe gestellt wurde.

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„Hier gilt das Recht des PS-Stärkeren"

Auch der Verkehr war sehr chaotisch. Selten benutzte ein Verkehrsteilnehmer einen Blinker, aus einer 3-spurigen Straße wurde beim Gedrängel in der Rush Hour eine 5-spurige. Hier gab es nur das Recht des PS-Stärkeren. Bei den ersten selbstständigen Ausflügen mit meinem Leihwagen in der Stadt brauchte ich manchmal 2-3 Stunden, um zu Baustellen oder zurück zum Hotel zu finden.

Weil die meisten Schilder nur auf Arabisch waren und ich keine Stadtkarte hatte, machte ich es so wie mir geraten wurde. Ich orientierte mich an den 2 zentral gelegenen, großen Hochhäusern von Riad, dem Kingdom Tower und dem Faisaliah Tower. Die höchsten Gebäude in einer Stadt, die 6 Mio. Einwohner hat und 3mal so groß ist wie Berlin.

Die Verständigung mit den Arbeitern und Side-Ingenieuren war am Anfang schwierig. Die Ländervielfalt der Leute, mit denen ich zu tun hatte, reichte von Engländern und Arabern über Ägypter, Sudanesen, Bangladeschi, Inder und Pakistaner bis zu Iranern, Irakern, Nepalesen, Philippinen, Jemeniten und und und. Aber nachdem man sich ein paarmal gesehen und (soweit der Andere des Englischen mächtig war) unterhalten hatte, lief das Englisch immer flüssiger. Immer wenn ich ein Wort nicht wusste, befragte ich mein kleines Vokabelbuch. Auch fragte ich Kollegen und Arbeiter, die gut Englisch konnten, nach arabischen Begrüßungen und Höflichkeitsfloskeln, um einen möglichst guten Kontakt zu Arbeitern sowie saudischen Vorgesetzten zu haben. Auch erkundigte ich mich nach Familienstand, den Namen, Hobbys um ein umfassendes Bild von meinem Gegenüber zu bekommen und Gesprächsthemen für Smalltalk zu finden. Spätestens als ich mich genauer über den Islam informierte, gewann ich mehr und mehr das Vertrauen meiner Gesprächspartner.

Projekte

Meine Arbeit war am Anfang recht schwierig. Ich hatte mit einem alteingesessenen Kollegen drei Projekte zu betreuen, die jedes für sich schon sehr umfangreich waren. Ich fuhr in der Anfangszeit fast nur von Projekt zu Projekt und kontrollierte die Fortschritte oder ging zu Meetings mit Kollegen und den örtlichen Leitern der Baustellen bzw. Areas.

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Wadi Hanifah

Zu meiner eigentlichen Arbeit, dem Anleiten von Arbeitern im Gehölz-Schnitt, kam ich relativ selten. Nachdem ich aber ein Projekt, das ich nur aufgrund von Fachkräftemangel vorübergehend betreuen musste, abgab, konnte ich mich intensiv mit den zwei verbliebenen auseinandersetzen. Das war zum einen ein ca. 60 km langes Flussbett, das „Wadi Hanifah" und die große Hauptachse Riads, die Stadtautobahn „King Fahd Road".

Das Wadi Hanifah ist ein Renaturierungs-Projekt in einem Flussbett, das durch abgepumptes Grundwasser und die geklärten Abwässer der Stadt Riad gespeist wird. Es ist mit ca. 60.000 Bäumen und Sträuchern auf einer Länge von ca. 60 km begrünt und als Naherholungsgebiet für die Stadt Riad konzipiert. Außerdem dient es vielen Zugvögeln als Überwinterungsplatz oder Rast auf ihrer weiteren Reise.

Auch ist hier eine vielfältige Artenpracht an Fischen zu beobachten. Von Saugwelsen, Catfish, Koi bis hin zum Moskitofisch und Buntbarsch-Arten ist hier alles vertreten. Das Flussbett selbst ist in verschiedene Bereiche unterteilt und jeder Bereich untersteht einer Arbeiterkolonne, die wiederum einem Side-Ingenieur zugehörig ist, der der Firma untersteht, die den Pflegeauftrag für das Projekt hat. Vermittelnd, zur Beaufsichtigung und Leitung der Pflege- und Pflanzmaßnahmen war ich angestellt. Auch um regelmäßig Reporte über Fortschritte und Verbesserungsvorschläge für das Projekt einzureichen.

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 „Ohne Worte"

Am schwierigsten gestalteten sich dabei die Verhandlungen mit der Firma, die für die Stadtplanung Riad arbeitete. Dabei ging es hauptsächlich um organisatorische Belange oder den Kauf von besseren Werkzeugen und Ausrüstung für die Arbeit. Zwischen der Qualität der Werkzeuge und Sicherheitskleidung der Arbeiter hier und deutschen Standards lagen Welten. Meist waren es billige chinesische oder spanische Kopien. Das Problem war dann einerseits, gute Qualitätswerkzeuge überhaupt zu beschaffen. Andererseits waren die Preisunterschiede teilweise 10-mal so hoch, sodass es schwer war, die Firmen davon zu überzeugen, dieses Geld auszugeben.

Auch übersteigt der Preis einer guten Gartenschere den halben Monatslohn eines Arbeiters und die Firma war nicht bereit, jedem Arbeiter ein solch teures Gerät auszuhändigen, da die Arbeiter aufgrund mangelnder Unterweisung in der Pflege (und nicht bereitgestellter Pflegemittel ) diese dann schnell verschlissen.

Kurzum, es mangelte an dem Verständnis, dass gutes Werkzeug seinen Nutzen hat, an der Ausbildung der Arbeiter, am Sicherheitsverständnis bei der Arbeit und, da nur wenige Arbeiter oder Side-Ingenieure englisch sprachen, auch an der Verständigung. Aber mit der Zeit lief das Zusammenspiel immer besser. Ich fand Kompromisse mit den Firmen, lernte ein bisschen Arabisch und vermittelte meine Wünsche und Anregungen an die Arbeiter und Ingenieure mittels praktischer Unterweisungen, Zeichensprache oder ich machte einfache Zeichnungen mit arabischen Begriffserklärungen.

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Für die arabischen Begriffe verwendete ich den Google-Übersetzer und kopierte die Wörter in meine Zeichnungen. Vorher ließ ich sie noch von einem englisch sprechenden Araber auf ihre richtige Bedeutung prüfen.

Weiterhin zeigte ich den Arbeitern auch die richtige Pflege der Werkzeuge und den sicheren Umgang. Und die Firmen versuchte ich davon zu überzeugen, dass sie die Nutzungsdauer der Arbeitsgeräte verlängern und Geld sparen konnten, wenn sie Pflegemittel bereitstellten. Es war ein sehr langwieriger Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist, aber kleine Erfolge bestätigten mich immer wieder.

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Gestaltete Sitzgelegenheit im Wadi Hanifah Anbinde-Unterweisung Kleine Palastanlage in europäischer Bauweise

Ähnliche Aufgaben gab es bei dem Projekt King Fahd Road. Hier hatte ich neben der 16 km langen Stadtautobahn auch noch mehrere Parks zu betreuen, so den Salam-Park und den VIP-Park, den privaten Park der königlichen Familie. Hinzu kamen der Justizpalast, also das Gelände um das Gerichtsgebäude, und der Vollstreckungsplatz (dort finden Hinrichtungen statt, denen ich aber nie beiwohnte). Weiterhin noch die Grünanlagen der Crossings, also der Nebenstraßen, des Falkenmarkts, der Alten Festung Riads und der Mittelstreifen der King Fahd Road. Das war alles in allem sehr viel zu betreuen, aber ich teilte mir diese Arbeit mit einem weiteren Kollegen und später kam noch einer hinzu, der mir dann das Projekt Wadi Hanifah abnahm, wodurch ich mich dann ganz auf die King Fahd Road konzentrieren konnte. Hier waren die Probleme bei der Arbeit ähnlich. Mangelnde Kenntnisse, schlechtes Werkzeug und mit den Augen der Arbeitssicherheit durfte ich manchmal nicht genau hinsehen.

Ich arbeitete ca. 4-6 Stunden mit den Arbeitern unter anderem in dem begrünten Mittelstreifen auf der Autobahn, der - Gott sei Dank - gut einen Meter höher als die Fahrbahn lag. Die Unfallrate war hier recht hoch, ca. 4-5 Unfälle pro Tag, auf einer Strecke von 16 Kilometern... Ich war aber zum Glück nie in einen davon direkt verwickelt.

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Ausschneidearbeiten an der King Fahd Road und weiteren Versorgungsstraßen

Wir schnitten dort also die Bäume im Hinblick auf die Verkehrssicherheit. Zumeist Akazien, aber auch Hibiskus-Arten, obwohl die es etwas schwer hatten, bei dem Stadtklima mit der erhöhten Wärmeabstrahlung durch Straßen und Hausfassaden. Auch durch die windige Lage und durch eine größere Blattoberfläche und Kronendichte als bei den Akazien gab es eine höhere Bruchgefahr.

Also entfernten wir bei unseren Einsätzen überlastige Äste zur Straße, bruchgefährdete Äste, asteten bis auf 4 Meter von der Fahrbahn auf und formten durch gezielte Schnittmaßnahmen ein gutes Lichtraumprofil der Bäume. Hierbei ließ die Qualität der Leitern oft sehr zu wünschen übrig und ich wich zur eigenen Sicherheit auf die Bäume aus, um einen sicheren Stand zu haben. Das war nach deutschen Sicherheitsmaßstäben natürlich nicht richtig, aber hier hat man eben nicht die Voraussetzungen an Material wie in Deutschland, was z. B. die Qualität der Leitern betraf. Und so entschied ich mich für die weniger gefährliche Variante.

Neben diesen beiden Hauptprojekten betreute ich zwischenzeitlich, für ein paar Wochen, auch kleinere Bauvorhaben. Ich überwachte Qualität und Fortschritt bei Baumaßnahmen von großen Gartenanlagen, unter anderem von Mitgliedern der Königlichen Familie oder von wohlhabenden saudischen Geschäftsleuten.

Freizeit

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Gelber Skorpion bei „Fotoshooting"
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Desert Diamond

Aber auch der Spaß kam nicht zu kurz. Ich schlief unter anderem in einem großen Zelt im Thumama-Park, einer Art „Zeltplatz" in der Wüste. Ich fing und fotografierte Skorpione (mit einer Grillzange, nicht mit der Hand; Skorpione sind sehr giftig!), fuhr Quad in den Roten Sanddünen, ging abends mit Kollegen essen. Wir hatten die Möglichkeit umsonst Fitnessstudios zu nutzen. Man konnte hier Billard spielen, Bowlen gehen und dem Batha-Suk, dem großen Markt, einkaufen für die Lieben zuhause.

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen war es, an freien Tagen in die Wüste zu fahren und dort an speziellen Plätzen die Desert Diamonds oder Saudi-Diamonds zu sammeln. Einen Halbedelstein, der zwar nicht besonders wertvoll ist, aber geschliffen wie ein Diamant aussieht und im Rohzustand wie milchiges Glas.

Alles in allem hat mich meine Zeit in Saudi-Arabien am Anfang zwar ein bisschen überwältigt, was meine dort gestellten Aufgaben anging, aber man wächst mit seinen Aufgaben, und ich hatte auch viele nette und hilfsbereite Kollegen, die mir geholfen haben.

Auch habe ich die Kultur des Islams und einiger anderer Länder etwas besser kennenlernen dürfen und ein bisschen verstehen gelernt, ich habe für mich persönlich Vorurteile abgebaut und interessante Menschen getroffen. Durch den direkten Kontakt mit weniger begüterten Menschen ist mir das Glück meines eigenen doch recht sorgenfreien Lebens sehr viel bewusster geworden und ich denke, ich gehe nun noch etwas zufriedener durch die Welt und sehe eigene, vermeintliche Probleme mit anderen Augen.

Zum Schluss möchte ich noch schreiben, dass ich noch für eine weitere Saison nach Saudi-Arabien gehen werde, wenn ich dazu die Möglichkeit erhalte. Weil es mir dadurch möglich sein wird, ein Fernstudium in Angriff zu nehmen und gleichzeitig weiterhin gutes Geld zu verdienen.

Es mag nicht für jeden das Richtige sein, unter diesen Bedingungen in einem fremden Land mit einer vollkommen anderen Kultur zu leben und zu arbeiten, aber für mich ist es zumindest für eine Zeit lang eine interessante Möglichkeit, meine Kenntnisse und Fähigkeiten auszubauen und die Faszination eines anderen Landes mit seinen starken Gegensätzen und beeindruckender Landschaft noch intensiver kennen zu lernen.

Reimer Liebetrau

 

Bildnachweis
Reimer Liebetrau, sowie
(1): Cherie A. Thurlby, Wikimedia Commons, Public Domain
(2): Drh104, Wikimedia Commons, CCbySA 3.0
(3): Denise Chan, Wikimedia Commons, CCbySA 2.0

Bei den allgemeinen Informationen über Saudi-Arabien bediente ich mich dieser Quelle: Wikipedia-Artikel Saudi-Arabien

© 2012 Reimer Liebetrau, Peter-Lenné-Schule. Alle Rechte vorbehalten.

 

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