Tipps von Reimer Liebetrau zum Arbeiten im Ausland

Reimer Liebetrau hat einen Bericht über seine Tätigkeit als Landschaftsgärtner in Saudi-Arabien verfasst. Wer sich ebenfalls für eine Arbeitsaufenthalt im Ausland interessiert, findet nachfolgend wertvolle Tipps.

Zu Reimer Liebetraus Beitrag „Gärtnern in der Wüste"

12l-liebetrauKurz zur Person:

Mein Name ist Reimer Liebetrau, ich bin 28 Jahre alt und von Beruf staatlich geprüfter Techniker im Bereich Garten- und Landschaftsbau. Ich habe von 1999-2002 meine Ausbildung zum Landschaftsgärtner in einem kleinen Betrieb in der Nähe von Cuxhaven absolviert. Danach war ich in verschiedenen privaten Gartenbaufirmen beschäftigt und zeitweise auch im öffentlichen Dienst.

Von 2008-2010 habe ich an der Peter-Lenné-Schule / Staatliche Fachschule für Gartenbau in Berlin-Zehlendorf meine Weiterbildung zum Techniker absolviert. Es folgten einige Monate Aufenthalt im Ausland, darunter Neuseeland, Spanien und China. Im Juli 2011 fasste ich den Entschluss, eine Zeit lang im Ausland zu arbeiten, und nach kurzer Suche und einiger Vorbereitung nahm ich im September 2011 meine Tätigkeit in Saudi-Arabien auf...

Allgemeine Tipps

Wenn man sich für ein Ziel entschieden hat, sollte man sich sehr genau über dieses Land informieren. Das kann man anhand von Fachliteratur tun, dem Internet, z. B. in Foren, oder über Firmen und Arbeiter, die dort tätig sind und vielleicht auch das ein oder andere Vorurteil zu entkräften wissen. Es ist von entscheidender Wichtigkeit, dass man nicht unvorbereitet in ein Land aufbricht, ohne die grundsätzlichen Verhaltensregeln zu kennen, Einreisebestimmungen und Risiken, notwendige Impfungen, Tier- und Pflanzenwelt. Auch der Versicherungsschutz, Gültigkeit des Passes usw. sind wichtig.

Saudi-Arabien

Um in diesem Land arbeiten zu können, muss man wissen, dass man nur ein Visum bekommt, wenn man von einem Muslim aus Saudi-Arabien eingeladen worden ist oder auf dessen Wunsch dort arbeitet. Als Außenstehender ist es sehr schwer, dort an Aufträge oder an eine Anstellung zu kommen. In Riad z.B. gibt es nur eine Handvoll deutscher Firmen, die dort tätig sind, das aber meist schon Jahrzehnte lang.

Arbeitssuche

Ich persönlich bin über ehemalige Mitschüler und deren Ausbilder auf eine deutsche Firma aufmerksam geworden, die Mitarbeiter für Saudi-Arabien suchte: Bödeker Partners, ansässig in Neandertal bei Mettmann. Eine Landschafts-Architektur-Firma mit derzeit ca. 30-35 freien Mitarbeitern, die größtenteils die planerische Durchführung von Projekten in Deutschland, Saudi-Arabien und Südamerika leiten, aber auch Fachkräfte für die praktischen Arbeiten und deren Überwachung und Durchsetzung suchen.

Es sollte ein befristeter Einsatz sein, drei bzw. acht Monate mit einer Unterbrechung, weil die Visabestimmungen Saudi-Arabiens den Aufenthalt von Ausländern auf maximal sechs Monate begrenzen.

Der erste Weg ist natürlich die Kontaktaufnahme, in diesem Fall per Email, als Antwort auf eine Anzeige im Internet. Nach kurzem Emailwechsel hatte ich meinen Lebenslauf an den möglichen neuen Arbeitgeber versendet, tabellarisch und auf Deutsch, später noch einmal in Englisch für die Auftraggeber in Saudi-Arabien, mit Passbildern. (Hierzu ein kleiner Tipp: Bei Passbildern darauf achten, dass man ein gutes Hemd und nicht nur ein T-Shirt trägt. In Gesprächen mit den Auftraggebern zeigte sich, dass bei der Auswahl neuer deutscher Arbeiter die Passfotos eine große Rolle spielen. „Unordentliche Haare", 3 Tage Bart oder T-Shirts, die für die Araber wie Unterwäsche aussahen, kamen nicht gut an...) Hilfe für das Erstellen eines internationalen Lebenslaufes wird im Internet angeboten.

Nach ein bis zwei Tagen hatte ich dann ein Vorstellungsgespräch mit dem Firmenchef von Bödeker Partners, aus Zeit- und Entfernungsgründen per Skype-Videoschaltung. Hierbei machten wir uns persönlich bekannt und klärten Bezahlung, Tätigkeitsbereich meiner Arbeit, die Dauer meines Einsatzes, und letztendlich erfolgte beiderseitig eine Zusage.

Versicherungen

Da ich nicht direkt bei meinem deutschen Arbeitgeber angestellt war, sondern als freier Mitarbeiter unter seiner Schirmherrschaft, für die Stadtplanungsbehörde von Riad, unterlag ich nicht der Versicherungspflicht in Deutschland. Ich musste mich also selber versichern. Da ich aus früheren Reisen bereits Erfahrungen mit Auslandskrankenkassen gesammelt hatte, versicherte ich mich bei einer Gesellschaft, mit der ich zufrieden war und die ich kannte. (Tipp: Nachfragen in Reisebüros, die auch Versicherungen zu Reisen anbieten und beraten können über Leistungen und Kosten). 31 € für die Krankenversicherung im Ausland mit kostenlosem Rücktransport bei Unfall oder Krankheit. (Tipp: Bei ADAC-Mitgliedern besteht die Möglichkeit, sich durch einen geringen Zusatzbetrag im Ausland zu versichern.)

Die nächste Frage war: bin ich versichert, wenn ich zwischen zwei Auslandseinsätzen zuhause bin und nicht arbeite? Nein, nicht wenn ich freier Mitarbeiter bin. Eine Versicherung hierfür zu finden, das war schon schwieriger. Die gesetzlichen Krankenkassen können einen da normalerweise nicht versichern, nur private Krankenkassen. Für die ist es aber nicht attraktiv, jemanden nur 3 Wochen im Inland zu versichern, da man davon ausgehen kann, dass er Untersuchungen, Zahnarztbesuche usw. in dieser Zeit zuhause machen lässt und somit nur kostet.

Wie dem auch sei, ich hatte mich nach gut 10-15 Absagen von privaten und gesetzlichen Krankenkassen noch einmal an meine alte langjährige gesetzliche Krankenkasse gewandt und siehe da, nach mehrmaligem Nachhaken gab es doch eine Möglichkeit, mich in diesen 3 Wochen zwischen meinen „Auslandseinsätzen" zu versichern. Bei gesetzlichen Krankenkassen besteht die Möglichkeit einer Anwartschaftsversicherung. Das bedeutet, man zahlt in der Zeit, wo man im Ausland ist, einen gewissen Betrag (in meinem Fall waren das ca. 45 €), der übrigens unabhängig von meinem Verdienst war. Und man erwirbt sich somit eine Anwartschaft, ein „Guthaben" bei der Versicherung. In der Zeit, in der man dann in Deutschland ist, steigt der Beitrag auf ca.140 € pro Monat. Bei meinen 3 Wochen anteilig dann auf 105 €. Die genaue Aufenthaltsdauer in Deutschland muss dann der Versicherung 1-2 Wochen vorher mitgeteilt werden, zur exakten Beitragsberechnung.

Die Auslandskrankenversicherung ruhte dann für den Zeitraum in Deutschland, bzw. wurde für den nächsten Einsatz bequem über Internet wieder neu abgeschlossen. Bei Vertragsabschluss der Auslandskrankenversicherung musste übrigens der komplette Betrag für die Dauer der Zeit im Ausland im voraus bezahlt werden. Meines Erachtens ist diese Lösung für Landschaftsgärtner, die diese Arbeit „mal ausprobieren" wollen und sich nicht komplett selbstständig machen wollen, eine gute Lösung. Ein Wechsel in eine private Krankenkasse, um für die gesamte Zeit bei einer Versicherung versichert zu sein, ist nicht nur sehr viel teurer, der Wechsel danach zurück in die gesetzliche Krankenkasse gestaltet sich dann auch schwieriger. Ich musste so nur 71 € Krankenkassenbeiträge bezahlen für jeden Monat im Ausland und 140 € in Deutschland für den vollen Monat.

Renten- und Arbeitslosenversicherung

Nachdem die  Krankenversicherung geregelt waren, musste ich mich um Fragen der Renten- und Arbeitslosenversicherung kümmern. Das ging relativ zügig, eine private Weiterzahlung der Arbeitslosenbeiträge (quasi eine private Arbeitslosenversicherung) war nur für Selbstständige und Menschen, die Angehörige pflegten, möglich, für mich also nicht. Bin ich längerfristig (Jahre) nur im Ausland beschäftigt und in meiner Zeit in Deutschland nicht versicherungspflichtig beschäftigt, verfällt mein Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Sprich, wenn ich nach ein paar Jahren diese Beschäftigung aufgebe und wieder in Deutschland nach Arbeit suche, rutsche ich vielleicht ins Arbeitslosengeld II, also Hartz IV, wenn mein Anspruch verfallen ist. Und durch den relativ hohen Verdienst hätte man dann sowieso keinen Anspruch auf Leistungen. Das muss man ebenfalls im Hinterkopf behalten. Denn notfalls muss man Rücklagen haben um z. B. 2-4 Monate weiter Miete, Lebenshaltungskosten, Krankenversicherung usw. bezahlen zu können, bis man eine neue Arbeit in Deutschland gefunden hat. Die Rentenversicherung antwortete zügig auf meine Frage mit „Ja", man kann privat weiter für seine Rente einzahlen. Der Mindestbetrag hierfür liegt bei 79,60€ pro Monat. Mehr geht natürlich auch. Es bleibt jedem selber überlassen, freiwillig einzuzahlen oder nicht. Ich persönlich habe zusätzlich zur gesetzlichen auch noch eine private Rentenversicherung.

Dann war die Frage, was passiert, wenn ich Sach-oder Personenschäden im Ausland verursache? Gilt meine Haftpflichtversicherung (so ich eine besitze) auch fürs Ausland? In meinem Fall traf das zu.

Damit war das Thema Versicherungen abgeschlossen – fast: Mein Auto und der Handyvertrag... Das Auto meldete ich ab, die Versicherung natürlich auch. Für Handyverträge gibt es die Möglichkeit, sie „ruhen" zu lassen. Somit verlängert sich der Vertrag um die ruhende Zeit im Ausland.

Reisepass

Dann der nächste Schritt, Überprüfung der Gültigkeit des Reisepasses. Er darf nicht im Ausland ablaufen. Dann kann es Schwierigkeiten bei der Einreiseerlaubnis geben. Man kann ihn zwar auch bei der deutschen Botschaft im Ausland verlängern lassen, aber das kostet manchmal einiges mehr und ob in Deutschland oder Ausland... ein neuer Pass braucht Zeit. Der Pass und 2 Passbilder für das Visum und den saudischen Arbeitgeber mussten nun zuerst an meinen deutschen Arbeitgeber und von ihm nach Saudi-Arabien geschickt werden. Von da an musste ich dann auf meine Visumsbestätigung und die Rücksendung meines Passes warten.

Führerschein

Dann kann es sinnvoll sein, einen Internationalen Führerschein zu beantragen. Das geht beim Straßenverkehrsamt schnell und günstig (ca. 15 € und ein Passbild). Des Weiteren musste ich für jeden Monat ein Passbild haben, um bei meinem ausländischen Arbeitgeber mein Arbeitsvisum verlängern zu lassen.

Konto

Dann die Frage mit dem Geldabheben im Ausland. Man versicherte mir bei der Bank, dass ich dort mit EC Karte ganz normal vom Schalter Geld abheben könnte. Aber besser ist, sich auch zu informieren, welche Bank die geringsten Zinsen auf Transaktionen ins und vom Ausland nimmt. Des Weiteren beantragte ich eine Kreditkarte, um z. B. Zahlungen für Flugumbuchungen oder Visa für andere Länder bezahlen zu können. Das ist meist per Kreditkarte besser möglich und kostet nur ca. 20 Euro bei der Beantragung und kann danach auch wieder zurück an die Bank gegeben werden, wenn man die Kreditkarte nicht mehr braucht. Außerdem stellte ich eine Kontovollmacht für ein Familienmitglied aus, damit z. B. im Falle eines Verlustes meiner Karte jemand schnell mein Konto sperren oder auch meinen Kontostand abfragen konnte. Zusätzlich stand mir die Möglichkeit des Online-Banking zur Verfügung.

Wohnung

Dann die Sache mit der Wohnung. Behält man seine Wohnung, kündigt man sie oder hat man das Glück, sie an gute Bekannte oder Freunde untervermieten zu können? Bei mir traf letzteres zu. Der Bericht war bis jetzt recht trocken, aber ich denke diese Informationen sind von großem Wert für jemanden, der sich auf das Abenteuer einlassen möchte.

Kleidung für den Aufenthalt in Saudi-Arabien

Jetzt waren Versicherungssachen, Reiseformalitäten, grundsätzliche Informationen zur Arbeit geklärt, nun hieß es Arbeitskleidung auszuwählen. Ich kaufte mir 4 sandfarbene Zip-Off-Arbeitshosen mit passenden, etwas dickeren, langärmligen „Tropenhemden". Als „Arbeitsschuhe" hatte ich nach Anraten eines Kollegen, der schon dort war, Outdoor-Turnschuhe mit guter Durchlüftung gekauft und Sandalen für die Freizeit. Arbeitsschuhe mit Stahlkappe wären in diesen Temperaturen nicht ratsam und bis auf die Stahlsohle gegen Akaziendornen auch nicht notwendig. Ansonsten T-Shirts, kurze wie lange Hosen, Unterwäsche usw. Wichtig waren ein dünner Pullover und eine dünne Jacke. Man denkt, was soll ich damit in einem Wüstengebiet..., aber nachts wird's recht kalt und in der Winterzeit kann die Temperatur in den Minusbereich fallen.

Kamera und Laptop

Zu der Kleidung kamen dann noch Kamera und Laptop. Hierzu noch ein Tipp. Lieber alles, was als zu freizügig erachtet werden kann (wie oben beschrieben), besser löschen oder daheim auf einer Festplatte speichern. Das können auch Bilder der Freundin im Badeurlaub oder ähnliches sein. Auch mit dem Fotografieren sollte man sich zurückhalten. Filmen und Fotografieren ist für Ausländer verboten. Ich erhielt später eine schriftliche Fotoerlaubnis von meinen saudischen Auftraggebern zur Dokumentation meiner Arbeit und konnte somit legal Fotos machen, wobei einige Bereiche wie Moscheen oder Militärisches natürlich absolut tabu sind.Desweiteren hab ich mir ein kleines Englisch-und ein Arabisch-Buch mit Vokabeln mitgenommen.

 

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