150-schulgartenDas Schulgelände des OSZ Natur und Umwelt beherbergt einen weitläufigen, vielgestaltigen und auch von Fachkundigen gern besuchten Schulgarten. Viele werden die Wandlungen und Umge­staltungen der letzten Jahre beobachtet haben, an denen unsere Schülerinnen und Schüler maßgeblichen Anteil hatten.

Bis zum Herbst 2011 konnten durch diese Arbeiten auch die meisten Folgeschäden beseitigt werden, die jahrelange Baumaßnahmen an Fassaden und Fundament des Schulgebäudes hinterlassen hatten.

 

Unser Lehr- und Schaugarten – viel mehr als ein grüner Lernort!

von Dr. Ralf Heldmann

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Für die grünen Berufe lernen unsere Schüler, Pflanzen…

  • …zu erkennen
  • …zu benennen
  • …zu pflanzen
  • …zu pflegen
  • …standortgerecht auszuwählen und
  • …gestalterisch ansprechend zu kombinieren.

Diese Fähigkeiten zu erlangen…

  • in unterschiedlichen Bildungsgängen
  • auf pädagogisch vielfältige Weise und
  • auf verschiedenstem fachlichem Niveau

ist die zentrale Aufgabe unseres Lehr- und Schaugartens. Der Garten ist, neben den Unterrichtsräumen, Lernort Nr. 1 unserer Schule. Er trägt wesentlich zur positiven Identifikation und guten Lernatmosphäre für Lehrer und Schüler bei.

 

Ein Garten mit dynamischer Entwicklung!

Seit dem Jahr 2000 wird der Garten kontinuierlich umgestaltet – einen besonders großen Schritt nach vorn haben wir 2010 und 2011 gemacht. Viele Pflanzflächen sind in Kooperation von Schulleitung, Lehrkräften und Gartenpraxis grundlegend neu gestaltet worden.

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Unsere Schülerinnen und Schüler unterstützen die Entwicklung des Gartens maßgeblich, vieles davon in Projektarbeit, z. B. durch:

  • umfangreiche Pflanzarbeiten
  • regelmäßige Pflegearbeiten
  • Einmessen von Geländeflächen
  • Erstellung von Pflanzplänen
  • Bestandsaufnahme und digitale Kartierung der Neupflanzungen.

 

Die Gärten im Garten

Pflanzensortimente für unterschiedlichste Anforderungen

Grundlage für die Gestaltung unser Pflanzflächen ist ein Masterplan, der die Nutzung aller Freiflächen des Schulgeländes ausweist („vom Hühnerstall bis zum Rosenbeet").

450-graesergartenUnser Freigelände spiegelt mit seinen wechselnden Standortverhältnissen (vollsonnige Flächen, Flächen im Gebäudeschatten, Wurzelkonkurrenz von Großgehölzen) viele typische Bedingungen privater und öffentlicher Grünanlagen wider und gibt damit praxisnahe Vorgaben für unsere Gestaltungsideen.

Jede Pflanzfläche steht unter einer fachlichen Überschrift, ist aber je nach Jahreszeit und fachlich / pädagogischer Intention unterschiedlich nutzbar. Jede Pflanzung bildet eine gestalterische Einheit. Größere Flächen werden für die Lernenden und Lehrenden durch kleine Wege erschlossen und gegliedert, deshalb tragen diese Bereiche die Bezeichnung „…-Garten" im Namen.

Für alle Neupflanzungen gelten folgende Anforderungen:

  • Präsentation eines vielseitigen und interessanten Pflanzensortiments
  • unter Einbeziehung der aktuellen „Prüfungspflanzen"
  • standortgerechte Pflanzenauswahl (Stimmt der Boden? …das Licht? …die Konkurrenzkraft zu Nachbarpflanzen? …)
  • gestalterisch ansprechende Kombination der gezeigten Pflanzen miteinander; gestalterische Einbindung der Pflanzflächen in unser Schulgelände.

Hier einige unser realisierten Pflanzkonzepte:

  • Gräsergarten – Gräser und Stauden für drei Lebensbereiche
  • Asiengarten – Heimat vertrauter Gartengehölze und -stauden
  • Felssteppe – ein Steingarten mit Mittelmeerpflanzen
  • Schattengarten – Blatt- und Blütenstrukturen für humose Böden
  • Vierjahreszeitengarten – Vegetationshöhepunkte auch außerhalb der Saison
  • Heidegarten – ein Klassiker neu entdeckt
  • Rosengarten – Rosen und ihre Begleiter
  • Kakteenbeet – Trendpflanzen für den trockene Sommer
  • Grünes Klassenzimmer – grüner Lernort für brave Schüler
225-heidegarten 225-vierjahreszeitengarten 225-kakteenbeet
Heidegarten Vierjahreszeitengarten Kakteenbeet

Alle Pflanzungen des Garten fügen sich zu einem Gesamtkonzept zusammen. So werden z. B. Stauden aus fast allen „Lebensbereichen" gezeigt.

Übergeordnete Themen wie „Gehölze mit Fruchtschmuck / Herbstfärbung", „Blütezeitkalender von Januar bis Dezember" oder „Bodendeckende Stauden und Gehölze" können an verschiedenen „Stationen" erarbeitet werden. Auch verfügt der Garten über zahlreiche große Solitärgehölze, die nicht immer einer Pflanzung zugeordnet sind, aber für den Unterricht selbstverständlich genutzt werden.

 

Tradition und Moderne

450-bleiwurzWir wollen unsere Schüler neugierig auf Neues machen, indem wir z. B. zeigen, dass auch Pflanzensortimente in Bewegung sind: Nur die wenigsten wollen noch mit „Opas himmelblauen Kadett von 1971" fahren – …und auch in der Gartengestaltung sind viele Pflanzenarten und -sorten neu hinzugekommen oder wieder „entdeckt" worden.

Im Gegensatz zur Technik brauchen wir aber nicht das eine durch das andere ersetzen. Vielmehr lässt sich Altes und Neues gut kombinieren.

Aber bewegen sollten wir uns schon. Denn auch der moderne Gartenkunde will nicht in der Hollywood-Schaukel am Pfitzer-Wacholder verharren.

 

Robust und attraktiv? – Wie viel Pflege ist machbar?

Allzu große Robustheit geht in vielen Bereichen des Lebens zu Lasten der Ästhetik.

Für einen Garten gilt es daher, den schmalen Grat zwischen ansprechender Gestaltung und möglichst geringem Pflegeaufwand zu gehen.

Bei uns haben sich u. a. folgende Regeln und Grundsätze bewährt:

  • Auch unsere „modernen" Arten und Sorten sind nicht so neu und aktuell, dass niemand weiß, ob sie nächstes Jahr schon wieder „out" sind, z. B., weil sie den ersten kalten Winter nicht überstehen. Vielmehr sind auch die „neuen" Sortimentspflanzen unseres Gartens mindestens 10–20 Jahre auf dem Markt und haben sich gut in der Praxis bewährt.
  • 450-rosen-begleitpflanzenIm Garten wechseln pflegeextensive und pflegeintensive Pflanzungen.
  • Innerhalb einer Pflanzung sorgen robuste (oft immergrüne oder strukturstabile Pflanzen) für ein ganzjähriges Gerüst / Rahmen. Dieses(r) wird durch Pflanzenarten mit deutlichen saisonalen Höhepunkten (z. B. spektakuläre Blüte, intensive Herbstfärbung) bereichert.
  • Alle ausgewählten Arten und Sorten müssen sich auch hier im Garten bewähren.
  • Wir verwenden keine „Liebhaberpflanzen", also solche Pflanzen, die von vornherein in der Fachliteratur als besonders anspruchsvoll bzw. sehr pflegeintensiv eingestuft werden.
  • Alle Pflegegänge werden möglichst regelmäßig durchgeführt, um den Aufwand des einzelnen Pflegegangs zu minimieren. Dies geschieht nach einem jährlich aktualisiertem Pflegeplan.
  • Für die Pflegearbeiten wird die Erfahrung der Gärtnerinnen mit der „manpower" unser Schülerinnen und Schüler kombiniert.

 

450-suedhofAusblick

Für die nächsten Jahre streben wir vor allem folgende Ziele an:

  • Sicherstellung der Anwuchspflege für alle Neupflanzungen
  • Ausschilderung und digitale Erfassung aller Pflanzen
  • Erstellung fachlich-pädagogischer Konzepte für die Unterrichtsarbeit im Garten
  • Umgestaltung und Aufwertung der älteren „eingewachsenen" Pflanzungen.

 

Oktober 2011

Dr. Ralf Heldmann
Fachleitung Landschaftsbau
Peter-Lenné-Schule Berlin

 

Siehe auch:

 

Fotos: Th. Kayser, Peter-Lenné-Schule