Unruhestand

werner_koenigNach fast 35 Jahren Dienst an der Peter-Lenné-Schule wurde deren Leiter Werner König in den Ruhestand versetzt. „Nur dienstrecht­lich", wehrt sich der Betroffene, der sich gegen einen „Abschied" aussprach und die weitere Entwicklung des Oberstufenzentrums auch künftig aufmerksam begleiten will.

Von der humorvollen bis wehmütigen, nebenbei kalorienreichen Feierstunde, die am 31. März 2011 im Gewächshaus der Schule stattfand, dokumentieren wir die Grußworte Werner Königs und die Laudatio des stellvertretenden Schulleiters Rainer Leimgruber.  

Grußwort von Herrn König

Als ich am 2. November 1976 erstmalig zur Peter-Lenné-Schule fuhr, hatte ich ein leicht mulmiges Gefühl im Bauch – ich glaube, das geht fast jedem so zu Beginn einer neuen Arbeitsstelle. Als ich heute – am 31.3.2011 – wieder zur Peter-Lenné-Schule fuhr, hatte ich dieses leicht mulmige Gefühl wieder. In den vielen Jahren dazwischen bin ich überwiegend gerne zur Schule gefahren und ich bin auch gerne hineingegangen. Diese Tatsache liegt an unseren Schülerinnen und Schülern und vor allem auch an Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Deshalb möchte ich mich recht herzlich für die vielen Jahre gemeinsamer Arbeit bedanken.

  • Eine Zusammenarbeit, die ich als kollegial, freundlich und z. T. auch freundschaftlich empfand.
  • Eine Zusammenarbeit, die geprägt war von einem hohen Niveau in den einzelnen Fachdisziplinen sowie geprägt von großer Innovation im pädagogischen und didaktischen Bereich.
  • Eine Zusammenarbeit, die – und das ist besonders für einen Schulleiter wichtig – in hohem Maße konstruktiv, kooperativ und loyal erfolgte.

Ich habe für mich den Begriff „Verabschiedung" bisher vermieden. Abschied wirkt auf mich endgültig und zudem sentimental. Vielmehr möchte ich auch weiterhin Kollege der Schule sein, wenn auch zukünftig in anderer Funktion. Meine Vorgänger kommen entweder gar nicht mehr oder nur auf Einladung in die Schule. Ich werde so in die Schule kommen, ohne Einladung!

Noch einmal herzlichen Dank, für die Zukunft wünsche ich Ihnen und der Schule alles Gute,

Ihr Werner König

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Würdigung durch Herrn Leimgruber

Kaum jemand käme auf die Idee, dächte er an Sie, lieber Herr König, an Erdnüsse zu denken, haben Sie sich doch in langen Jahren an der PLS stets als bekennender Verehrer des Dominosteins – lateinisch lapis domine – geoutet.

Dabei ist die Frucht der Erdnuss, Arachis hypogaea, botanisch gesehen – hier fange ich an, mich auf Ihr – und damit auf gefährliches Terrain zu begeben, keine Nuss-Frucht, sondern eine Hülsen-Frucht, was sich beim abendlichen Seitengriff in die Nuss-Schale nicht, dafür eher aus der englischen Bezeichnung pea-nut (Erbsen-Nuß) erschließt.

Bevor ich mich aber in einer wissenschaftlichen Abhandlung über Erbsen-Erdnüsse ergehe, was mir einen gutten Berg Arbeit abverlangt hätte, komme ich lieber auf den weltlichen Bezug zu jener Pflanze zurück.

Am 2.11.1976 meldete der damalige Schulleiter, Herr Kusber, dem Schulamt Zehlendorf, ein junger Studienassessor, seines Zeichens Spezialist der Botanik, der schon lange begehrte nach Referendariats-Wanderjahren von Hildesheim nach Berlin zurückzukehren, habe an der Peter-Lenné-Oberschule seinen Dienst angetreten.

Am selben Tag, am 2.11.1976., und hier schließt sich der botanische Bezug, trat einige viele Kilometer entfernt ein in botanischen Kreisen wenig bekannter Erdnuss-Farmer seinen Dienst in Washington an, Jimmy Carter.

Jimmy Carter war vier Jahre im Amt, Sie fast 35.

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In diesen gut drei Jahrzehnten Dienst an der Peter-Lenné-Schule haben sie in kurzer Zeit viele Funktionen wahrgenommen. Schullaufbahnberater – Fachseminarleiter – Lehrbeauftragter an der TU – Abteilungsleiter – Schulleiter... – eine Karriere, die Sie schon zum großen Teil zurückgelegt hatten, als ich – 1984 – an diese Schule kam. Da waren Sie schon (mit 33 Jahren) 2 Jahre lang Abteilungsleiter.

Dieser, Ihrer Erfahrung habe ich persönlich viel zu verdanken, und das möchte ich hier an dieser Stelle auch einmal kundtun: Ich selbst hatte nie daran gedacht, aber Sie – wie auch andere – haben mich ermuntert, mich zunächst als Abteilungskoordinator und später als OSZ-Koordinator zu bewerben.

Dieses Vertrauen hat mich sehr geehrt und ich glaube, dass wir trotz manch unterschiedlicher Auffassungen gemeinsam gute Ergebnisse für die Schule erreicht haben. In dieser Zeit der Zusammenarbeit haben wir uns – vielleicht gerade wegen mancher Unterschiedlichkeiten – gut ergänzt. Und auch die Zeit, als ich Sie vertreten durfte, habe ich nicht als Belastung, sondern als Chance der eigenen Entwicklung erlebt.

Ihre Zeit an der Schule ist auch eine Zeit der Kommunikation – als Lehrer eine tägliche Übung, als Vorgesetzter manchmal ein schwieriges Unterfangen. Welche Fallstricke das Leben dazu bereithält, hat kein geringerer als Loriot auf unnachahmliche Art beschrieben. Trotzdem sei hier der Versuch gewagt, von der Theatergruppe der Kleinen Bühne Berlin. Wer immer sich Eier aus der schuleigenen Farm bestellt, sei gewarnt: Loriot – Das Ei!

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Lieber Herr König, wenn von Abschied die Rede ist, dann liegen „-sgeschenke" nicht fern. Bescheiden, wie Sie sind, haben Sie sich nichts gewünscht. Aber so einfach kommen Sie nicht davon.

  • Man weiß ja, dass Sie im Umland wohnen. Falls Ihr Ortsteil noch kein Biosphärenreservat ist, dann können Sie jetzt die Initiative übernehmen – mit einer eigenen Biosphären-Eule, kettensägegeschnitzt von Ihrem Kollegen Herrn Forstmeister Mielke.
  • Ihre heimliche Leidenschaft galt dem geselligen Beisammensein anlässlich eines dienstlichen Frühstücks – ich denke auch mit Eiersalat (über die Garzeit werden wir uns – Loriot sei Dank – intern noch einigen). Dazu laden wir – die „Büroetage" – Sie für den 13. April herzlich ein.
  • Ihre offene Leidenschaft galt dem Tierbestand der Schule. Das Kollegium hat Ihnen deshalb zwei Tauben-Pärchen gewidmet, die künftig in der Voliere an Sie erinnern werden.

Wir wünschen Ihnen, lieber Herr König, alles erdenklich Gute im Ruhestand!

Rainer Leimgruber
stellv. Schulleiter

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Fotos: Christian Lück / Peter-Lenné-Schule. Alle Rechte vorbehalten.