Vom Klimawandel und seinen Folgen

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Das agrarmeteorologische Institut der HU in Berlin-Dahlem befasst sich mit dem Einfluss von Wetter und Klimaänderungen auf Entwicklung, Wachstum und Ertragsbildung land­wirtschaftlicher Kulturen. Die Klasse BOS 013 besuchte das Institut, um Fragen des Klima­wandels nachzugehen.

Von Julian Kuchenbuch, Sascha Löbel, Nadine Weißköppel und Benjamin Manthey (BOS 013)

Der Klimawandel und seine Auswirkungen ist wohl eins der momentan polarisierendsten Themen in unserer Gesellschaft. Deshalb besuchten wir am 26.11.10 das agrarmeteorologische Institut der Humboldt-Universität in Berlin um diesen Auswirkungen auf den Grund zu gehen. Dort hörten wir einen Vortrag zum Thema von Prof. Dr. Chmielewskie.

Nun möchten wir unser neu erworbenes Wissen mit euch teilen und über Wahrheiten und Trugschlüsse aufklären. Wir erhielten einige wissenschaftlich gesicherte Daten zur Temperaturveränderung und deren Auswirkung auf die Natur.

Meteorologische Messinstrumente
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Anemometer Thermohygrograph Thermometerhütte

Man hört ja im Fernsehen jedes Jahr etwas über Rekordwinter oder Rekordhitze etc. Doch stimmt das überhaupt? Um diese Frage zu klären, erhielten wir Klimadaten des Agrarmeteorologischen Instituts, die in Berlin-Dahlem ermittelt wurden und somit natürlich nur für die Berliner Region gelten, sowie deutschlandweite Daten zum Vergleich. Für die unterschiedlichen Jahreszeiten erhielten wir folgende Messungen, die eine Klimaveränderung beweisen.

Messwerte Berlin-Dahlem:

Von 1961 bis 1970 hatte Dahlem noch eine Jahresdurchschnittstemperatur von 9 °C. Von 1991 bis 2000 beträgt dieser Mittelwert schon 10 °C. Dies bedeutet, dass von 1970 bis heute schon eine durchschnittliche Temperatursteigerung um 1 °C erfolgte.

Detailliert bedeutet dies: Im Winter stieg die Durchschnittstemperatur um 2,23 °C, im Frühjahr um durchschnittlich 0,88 °C. Im Sommer blieb die Temperatur konstant und im Herbst stieg sie um 0,36 °C. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge in Berlin beträgt 544,6 mm.

Messwerte Deutschland:

Gesamtdeutsche Durchschnittstemperaturen zum Vergleich: Da hätten wir eine Jahresdurchschnittstemperatur von 8,5 °C seit 1990. Auch deutschlandweit ist ein milderer Winter, mit einem Temperaturanstieg von 2,3 °C, wissenschaftlich belegt. Für das Frühjahr wurde eine durchschnittliche Steigerung der Temperatur von 1,8 °C, für den Sommer von 1,6 °C und für den Herbst von 0,3 °C gemessen. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge in Deutschland beträgt 787 mm.

Auch bei den Niederschlägen zeigt sich eine Änderung. Im April, Mai und Juni regnet es deutlich weniger als vor 45 Jahren. Im Herbst und im Winter ist die Niederschlagsmenge hingegen deutlich angestiegen, im Vergleich zu den 60er Jahren.

Fazit:

Wir können also von einem Klimawandel sprechen, der sich durch eine leichte Erhöung der durchschnittlichen Temperatur zeigt und man kann von folgenden Auswirkungen ausgehen:

  • höhere CO2-Konzentration in der Luft
  • Jahresdurchschnittstemperatur steigt an
  • Umlagerung des Jahresniederschlages
  • Zunahme von Hitze- und Dürreperioden
  • Abtauen der Gletscher
  • Rückgang des arktischen Eises um 40%
  • vermutliche Zunahme von Wetterextremen
  • Verschiebung von Lebensräumen
  • Tierpopulationen sterben aus

Da wir auf einer Agrarschule sind, fragen wir uns natürlich: Welche Auswirkungen hat dies auf unsere Landwirtschaft?

Es zeigt sich eine Änderung der thermischen Vegetationszeit, dies ist die Zeit, in der die Pflanzen wachsen, was ab 5 °C erfolgt. Diese Zeit hat sich seit 1930 um etwa 23,5 Tage verlängert. Apfelbäume beginnen z. B. 12,5 Tage früher an zu blühen.

Ist das gut oder schlecht?

Für unsere Bauern kann dies zunächst landwirtschaftliche Vorteile mit sich bringen, da z. B. mehrere Aussaaten als üblich möglich sein könnten und der CO2-Anstieg theoretisch positive Effekte für den Anbau von z. B. Getreide haben könnte. Jedoch überwiegt die Gefährdung des Anbauguts durch Temperaturanstiege und dem daraus resultierenden Wassermangel. In der folgenden Tabelle sind die grundlegendsten Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Landwirtschaft dargestellt und mögliche Maßnahmen, um dagegen vorzugehen.

Pflanzenproduktion Tierproduktion
Auswirkungen des Klimawandels
auf die Landwirtschaft
  • Wassermangel im Sommer
  • Bodenfruchtbarkeit durch Erosion gefährdet
  • Verschiebung der Vegetationszeiten (Einhaltung der Fruchtfolgen gefährdet)
  • erhöhtes Schädlings- und Krankheitsrisiko
  • Erzeugungsprobleme durch zunehmende Wetterextreme
  • Probleme mit der Wasserversorgung
  • Aufwand durch Kühlungsbedarf in geschlossenen Stall-Systemen
  • erhöhte Schädigung durch Parasiten und Krankheitserreger
Erforderliche Maßnahmen
  • Verringerung von Klimagas-Emissionen
  • Energieeinsparung bei Produktionsprozessen
  • Anpassung der Züchtungsmethoden
  • Bodenfruchtbarkeit durch Erosionsschutz erhalten
  • Sicherung der Wasserversorgung
  • Anpassung von Fruchtfolgen und Anbautechnik
  • angepasste Sorten durch Pflanzenzüchtung

Anschrift und Website des agrarmeteorologischen Instituts:

Humboldt-Universität zu Berlin
Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät
Fachgebiet Acker- und Pflanzenbau
Agrarklimatologie
Albrecht-Thaer-Weg 5
14195 Berlin

http://www.agrar.hu-berlin.de/

Bildnachweis

  • Wetterhütte, Anemometer: hu-berlin.de
  • Thermohygrograph: Hafenbar, Wikimedia Commons (CCbySA)
  • Thermometerhütte: R F90, Wikimedia Commons (Public Domain)