phoca thumb m 14-pragVom 20.–26. September 2009 fand in Tschechien die 6. trinationale Begegnung von Auszubildenden aus Tschechien, Frankreich und Deutschland statt. Anlass des Treffens war die gemeinsame Arbeit im CHKO Kokořínsko, einem Naturreservat in der Daubaer Schweiz.

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Matthias Grummt hat neben anderen Schülern und Lehrern des OSZ Agrarwirtschaft teilgenommen und einen lesenswerten Bericht über den Aufenthalt in Doksy verfasst.

 

Trinationale Begegnung in Tschechien

von Matthias Grummt

Tschechien ist ein Land mit 10.446.157 Einwohnern auf einer Fläche von 78.864 km². Die Amtssprache ist Tschechisch und die Hauptstadt heißt Prag. Tschechien ist 1993 aus der Tschechoslowakei entstanden. Es umfasst die drei historischen Regionen Böhmen, Mähren und Tschechisch-Schlesien. Tschechien ist 2004 der EU beigetreten, hat jedoch noch keinen Euro, sondern die tschechische Krone. Der Kurs zum Zeitpunkt der Reise stand 1:25,44.

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Blick vom Aussichtsturm Vrátenská

Die Stadt, in deren Nähe wir reisten, heißt Doksy und befindet sich im Böhmischen Mittelgebirge. Es ist eine vulkanisch geprägte Gegend mit bis zu 700 m hohen Kegelbergen. Die Stadt Doksy liegt 275 m über dem Meeresspiegel. Die Region ist reich an Gesteinen wie Basalt und Sandstein, die Verwendung als Baumaterial finden.

Durch die natürliche Abdichtung unter dem teilweise sehr fruchtbaren Boden sind viele kleine und große Seen entstanden. Bei Doksy befindet sich ein 278 ha großer künstlich angelegter See. Er trägt den Namen Máchovo jezero und wurde im Jahre 1366 angelegt. Er ist zum Teil von Sümpfen umgeben.

Sonntag:

Der erste Tag begann noch in Berlin.

Wir trafen uns um 8:15 am Hauptbahnhof, auf Gleis 8, um mit dem Zug nach Prag, zum Bahnhof Praha-Holešovice, zu fahren. Er ist nach dem Prager Hauptbahnhof der wichtigste Fernverkehrsbahnhof der Stadt und besitzt auch einen U-Bahn-Anschluss. Leider mussten wir zwei Stunden auf die Franzosen warten, da deren Busfahrer den Bahnhof nicht fand. Als wir uns dann an einer Straßenecke trafen und die Franzosen in unseren Bus stiegen, mussten wir feststellen, dass es drei Sitzplätze zu wenig gab, was noch für einigen Unmut sorgen sollte.

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Der leider etwas altersschwache Bus, der uns die ganze Woche zu den Zielen fuhr.

Als wir uns nun endlich gefunden hatten, fuhren wir ca. 1,5 Stunden über Landstraßen zu unserem Quartier, welches sich als sehr ordentlich und sauber herausstellte. Ich bezog mit drei anderen Jungs ein Zimmer. Wir hatten uns schon im Zug sehr gut verstanden und so gab es auch keinen Streit um die Betten.

Am Abend gab es dann etwas zu essen und noch einige Informationen zur Region sowie die recht spärlichen Informationen zu den Arbeiten der nächsten Tage. Später sammelten wir noch Holz für das Lagerfeuer, welches in dieser Nacht noch bis 4 Uhr brannte.

Montag:

Frühstück gab es um 8 Uhr. Eine ¾ Stunde später bestiegen wir den Bus und fuhren in ein Naturschutzgebiet. Wir wurden in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe sollte einen Entwässerungsgraben freilegen und erweitern. Dieser entwässert eine Wiese, auf der im Sommer vier verschiedene Wildorchideen-Arten blühen. Sie benötigen jedoch einen festeren Boden, als den, der dort vorherrschte. Die zweite Gruppe hob drei Teiche aus. Sie sollten eine Länge von 3 m, eine Breite von 2 m und einen schrägen Grund haben, welcher an der tiefsten Stelle 75 cm aufweisen sollte. Leider gab es einige Verständigungsschwierigkeiten, wodurch alle drei Teiche andere Maße und Formen aufwiesen, als die, die erreicht werden sollten.

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Bei der Arbeit an den Teichen.

Gegen Mittag erschien dann der Mitarbeiter des Nationalparks und erklärte uns noch einmal, wie die Teiche aussehen sollten. Diesmal verstanden wir ihn. Leider ging es in diesem Moment wieder in den Bus und wir fuhren zum Mittagessen. Nach dem Essen haben wir dann noch den See besichtigt, in den das abgeleitete Wasser der Wiesen münden sollte. Als wir nach der Besichtigung wieder an den Teichen ankamen, mussten wir feststellen, dass diese bereits mit Wasser gefüllt waren!

Und so wurde es eine sehr feuchte Angelegenheit, die Teiche noch einmal zu verändern. Die Kommunikation mit den Franzosen und Tschechen war wahnsinnig schwer, denn genau wie bei den Deutschen sprachen nur wenige Englisch. Am allabendlichen Lagerfeuer, mit etwas Alkohol, besserten sich die Verständigungsprobleme erstaunlich. Leider hielt dieser Zustand nur über den Abend.

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Die französische Gruppe am Lagerfeuer.

Dienstag:

Wie immer gab es um 8 Uhr Frühstück und danach ging es zum Bus. Mit diesem fuhren wir dann in ein Waldstück, in dem ein Stück verwaldeter Sumpf liegt. Dort fällten wir markierte Bäume. Leider gab es auch hier wieder das Problem, dass zu wenig Werkzug vorhanden war. Trotzdem schafften wir bis zum Mittag eine Menge. Bald gab es die Information, wir sollten jeden 2. Baum fällen. Gesagt, getan! So ging es auch nach dem Mittag weiter. Zum Feierabend haben wir dann noch einen Sumpf besichtigt, der schon vor 5 Jahren von Bewuchs befreit wurde. Die Veränderungen waren beachtlich: es war eine Wasserfläche entstanden, aus der viele kleine Moosinseln herausragten. Auf diesen Inseln wuchs der nur noch selten vorkommende Sonnentau.

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Mittlerer Sonnentau (Drosera intermedia)
Autor: Hajotthu, Wikimedia Commons, Lizenz GNU-FDL


Im Wasser wuchsen einige besondere Algen und eine ganz spezielle fleischfressende Art. Das Moor war von einem Schilfgürtel, der das Wasser filtert, umgeben.

Nach der Arbeit gab es die Möglichkeit einkaufen zu gehen, und da sich das Essen als sehr gewöhnungsbedürftig herausgestellt hatte, deckten wir uns reichlich ein, was bei einem Brötchenpreis von einer Krone einen wahren Kaufrausch auslöste.

Nachdem wir im Quartier angekommen waren, ging ich mit mehreren anderen Lehrlingen Holz sammeln, um für das abendliche Feuer zu sorgen. Gegen 21 Uhr entfachten wir es dann und blieben bis 2 Uhr nachts. An diesem Abend gesellten sich einige Franzosen und Tschechen zu uns und so wechselte die Sprache des Gesprächs häufig.

Mittwoch:

Frühstück und Fahrt verliefen wie immer. Als wir auf einem Parkplatz hielten, erwarteten uns schon einige Mitarbeiter des Nationalparks. Sie führten uns durch einen Wald und anschließend durch eine sehr hohe Wiese (1,5 m), was besonders für die etwas klein geratenen Damen unter uns kein Vergnügen war, jedoch auch einige Lachkrämpfe verursachte.

An diesem Tag gruben wir trichterförmige Löcher mit einem oberen Durchmesser von 6 Metern und einer Tiefe von 1,2 m. Der Aushub wurde etwas weiter entfernt zu einem Haufen aufgeschüttet.

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Die Holzberge für diesen Abend.

Am abendlichen Feuer spendierten uns die Franzosen Folienkartoffeln und Quark. Auch dieser Abend war unvergesslich und zog sich bis tief in die Nacht.

Donnerstag:

Der nächste Tag begann wieder mal mit einem wenig ausgewogenen Frühstück. Wir stiegen in unseren Bus und fuhren zur Messe „Garten Böhmen“, in die Stadt Litoměřice. Die Messe kann man sehr gut mit der „Grünen Woche“ vergleichen. Vom Spaten, über Pflanzen bis hin zum Küchengerät, gab es alles was man wollte oder eben auch nicht.

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Benjamin neben dem größten Kürbis der Messe.

Da man die Verpflegung, zwei Scheiben Mischbrot, eine ungeschälte Möhre und ein Würstchen getrost vergessen konnte, aßen wir Langosch. Ein in Fett gebackener Teigfladen, den man sowohl herzhaft als auch süß belegen kann. Langosch ist keine tschechische, sondern eine ungarische Spezialität. Besonders beeindruckten mich auf dieser Messe die riesigen Kürbisse, Zwiebeln und andere Früchte. Die große Anzahl verschiedener Bonsais interessierten mich ebenso.

Am Nachmittag haben wir dann noch die Stadt besichtigt. Sie hat eine sehr gut erhaltene Altstadt, welche vor wenigen Jahren restauriert wurde. Auch die Parkanlagen sind hübsch angelegt und sehr gut gepflegt. Auffällig waren die vielen Spielplätze in der Stadt.

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Typisches Fachwerkhaus der Region.

Am Abend revanchierten wir uns für die Kartoffeln vom Vorabend mit Stockbrot.

Weder die Franzosen noch die Tschechen kannten das und so waren sie am Anfang sehr skeptisch. Doch kaum waren die ersten Brote fertig, wollten alle und der Teig war schneller verbraucht als wir gucken konnten. Leider spielte am Anfang des Abends das Wetter nicht mit. Zum Glück klarte es gegen 21 Uhr wieder auf.

Freitag:

Am nächsten und zugleich letzten vollständigen Tag besichtigten wir die Burg Houska. Sie war, nach ihrer Erbauung auf einem Felsen, für Jahrhunderte uneinnehmbar. Sie wurde auf einem freistehenden Felsen errichtet und zum Teil in ihn hinein gebaut.

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Eine Wand aus Fels in der Burg Houska.
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Das 2. Geweih von links ist das größte seiner Art.

Nachdem der Bau fertig war, wurde zur völligen Uneinnehmbarkeit eine Mauer errichtet. Nun wurde die Burg nur noch durch einen geheimen Tunnel versorgt, welcher bis heute verschüttet ist und auch nicht wiedergefunden wurde. Nach der Eroberung der Region musste sie jedoch, als Tribut, wieder einnehmbar gemacht werden. Und so steht sie noch heute. Lange Zeit wurde sie als Jagdschloss genutzt. So verwundert es nicht, dass gleich drei der größten Rotwildgeweihe im Jagdsalon hängen. Darunter ist auch das größte der Welt.

Nach der Besichtigung der Burg wanderten wir zum Aussichtsturm Vrátenská und von diesem ging es dann wieder zurück ins Quartier.

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Die Burg Bezděz.
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Foto der Treppe, die auf den höchsten Turm führte.

Am Nachmittag fand noch ein freiwilliger Ausflug zur Burg Bezděz statt.

Die Burg ist noch in ihren originalen Grundrissen erhalten. Durch ihre schwere Zugänglichkeit wurde sie nur wenig umgebaut. Sie ist jedoch zum Teil zerfallen und nicht so gut erhalten wie die Burg Houska.

Der Aufstieg zu dieser Burg war ein schweres Stück Arbeit. Der Ausblick war jedoch atemberaubend und noch 100-mal besser als der vom Aussichtsturm am Vormittag.

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Die Hühner und ich.

Der letzte Tag endete, wie könnte es auch anders sein, mit einem Riesenfeuer. Auf dem Essenplan stand zuvor jedoch noch eine Pizza. Diese hätte auch sehr lecker sein können, wenn man die ganzen Knoblauchzehen aus der Soße genommen hätte. Weiterhin war dann noch ein Abschlussgrillen auf dem Plan. Es bestand aus Bockwurst am Spieß.

Allerdings hatten einige Freunde und ich schon am Nachmittag zwei Hühner gekauft und sie mit Apfel und Knoblauch gefüllt. Am Abend wurden diese dann über der Glut gegrillt. Das war das beste Essen der ganzen Woche und so waren wir nicht nur drei, die von den Hühnern aßen, sondern die halbe Lagerfeuergesellschaft.

Samstag:

Am letzten Morgen standen die Koffer halb fertig gepackt bereit, um die Reste des Chaos in unserem Zimmer zu schlucken. Um 7:30 verstauten wir dann das Gepäck im Bus und frühstückten.

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Rolltreppe zum U-Bahnhof

Anschließend fuhren wir wieder zurück nach Prag. Erst setzten wir die Tschechen ab. Dann die Franzosen am Flughafen, wo ihr Bus schon wartete. Der Abschied von einigen fiel recht schwer, da man sich doch gut kennen gelernt hatte. Kaum waren die Franzosen außer Sicht, hielten wir auch schon an unserem Ankunftsbahnhof, wo wir noch dem Busfahrer auf Wiedersehen sagten und unser Gepäck in einem Lager unterstellten. Bis zur Abfahrt des Zuges durften wir selbstständig die Stadt erkunden. Prag ist eine sehr große Stadt mit einer sehr tiefen U-Bahn.

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Die Stadt ist zu groß, um sie in ein paar Stunden zu erfassen

Die Stadt ist auffallend sauber und hübsch restauriert, was sich auch im wahnsinnig aufwändigen Pflaster widerspiegelt. Wir schlenderten bis 16 Uhr durch die Stadt und entdeckten viele sehenswerte Orte. Leider war die Zeit für die Erkundung viel zu kurz!

Um 16:40 Uhr fuhr unser Zug wieder vom Bahnhof Praha-Holešovice, über Dresden, zurück nach Berlin. Je näher wir der Hauptstadt kamen, umso mehr wich die heitere Stimmung.

Es war trotz mehrerer kleinerer und größerer Pannen eine sehr schöne und aufregende Reise. Ich würde sie jederzeit noch einmal beginnen.

M. Grummt

 

© Text- und Bildrechte, sofern nicht anders angegeben: Matthias Grummt, Peter-Lenné-Schule/OSZ Agrarwirtschaft Berlin

 


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