2020 dig verm 1sDigitale Vermessungstechnik im Garten- und Landschaftsbau

Wesentlicher Baustein einer zukunftsorientierten Ausbildung zum Meister und Techniker an der Staatlichen Fachschule für Gartenbau

Die Vermessungstechnik nimmt im Garten- und Landschaftsbau eine wichtige Aufgabe wahr. Angefangen bei Aufmaßen für Bestandspläne als Grundlage für eine Gartengestaltung über das Abstecken von Bauwerken während der Bauzeit bis hin zur Bauabrechnung durch regelkonforme Aufmaßpläne. Dabei ist in den letzten Jahren – zumindest bei Großbetrieben, aber auch kleineren Unternehmen – ein Trend zur digitalen Vermessungstechnik deutlich geworden.

Die technische Entwicklung auf diesem Gebiet schreitet sehr schnell voran, so dass selbst ein vor 10 Jahren neu angeschaffter Tachymeter (Totalstation) heute nur noch für Schulungszwecke eingesetzt werden kann. Es ist für Ausbildungsstätten schwierig, Vermessungsunterricht und praktische Aufmaße mit neuster Technik anzubieten, zumal die Anschaffung neuer Vermessungsgeräte in der Regel mit hohen fünfstelligen Investitionskosten verbunden ist. Und die Lehrbücher zur Vermessung im GaLaBau aus den 2000er Jahren sind derweil veraltet, so dass die Fachschule seit zwei Jahren in der digitalen Vermessungskunde neue Wege beschreitet.

Aufmerksam geworden durch eine Fortbildung zur digitalen Vermessungstechnik von der Fa. CCS Construction Competence Shop GmbH aus Kleinmachnow in Kooperation mit DATAFlor Software (Niederlassung Großbeeren) stand der Wunsch im Raum, auch an der Peter-Lenné-Schule eine vergleichbare Fortbildung für die angehenden Meister und Techniker des GaLaBaus anzubieten und zu etablieren.

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Eine erste halbtägige Fortbildung fand für die Fachschule im Herbst 2019 statt und wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr positiv aufgenommen. So fand die erfolgreiche Fortsetzung der Schulung durch Herrn Bennewitz und Herrn Kansy von Fa. CCS für die Fachschulklassen FT und FW 91 L im Spätsommer 2020 erneut in der Schule statt.

Aber was nutzt die beste Fortbildung, wenn diese Erkenntnisse nicht in die berufliche Praxis umgesetzt werden können? Also wurde das Thema im Projektunterricht an einem konkreten Bauvorhaben in Potsdam vertieft. Für die Planung einer automatischen Bewässerungsanlage sollte ein ca. 2.000 m2 großes Grundstück aufgemessen und ein Bestandsplan für die spätere Bewässerungsplanung im Rahmen der Bauabwicklung erstellt werden. Die Fa. CCS unterstützte das Vorhaben wohlwollend und stellte die digitale Vermessungstechnik kostenlos für das Aufmaß im Herbst 2020 zur Verfügung.

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Das Grundstück wurde nach Ortsbesichtigung in drei Bereiche aufgeteilt, die von drei Arbeitsgruppen mit jeweils fünf Studierenden aufgemessen werden sollten. Zum Einsatz kam ein neuestes Tachymeter (Totalstation Leica robot), mit dem diese Gruppe arbeitete. Dieses Gerät sucht sich selbstständig die mit einem Reflektor markierten Punkte, ermittelt Höhen und Entfernungen und speichert diese für die spätere Weiterverarbeitung im Zeichenprogramm.

Die zweite Gruppe vermaß ihren Grundstücksbereich mit einem GPS-Messgerät (Leica iCON gps), montiert auf einem Lotstock, ergänzt durch einen modernen Feldrechner als Tablet. Mit diesem Gerät können über die Signale der Satelliten aber nur dann sämtliche Punkte erfasst werden, wenn eine freie Sicht zum Himmel besteht. Bei stark bewaldeten Grundstücken können u. U. nicht alle Punkte erfasst werden, trotz der eingebauten Neigungskomponente für „schräge“ Messungen.

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Gruppe 3 nutzte für ihr Aufmaß das schulische digitale Nivelliergerät (Leica Sprinter 100 M), bei dem lediglich Höhen und Entfernungen digital erfasst, aber nicht zeichnerisch übertragen werden können. Aufgrund der im Vorfeld durchgeführten Fortbildung in der Schule konnte die Vermessung des Grundstücks zügig durchgeführt und nach kürzester Zeit erfolgreich abgeschlossen werden.

Aber wie funktioniert die Weiterverarbeitung der auf einem Stick gespeicherten Daten? Wie sehen die Rohdaten nach der Übertragung auf den Rechner auf einer CAD-Zeichnung aus? Und wie können die Ergebnisse der dritten Vermessungsgruppe in den Gesamtbestandsplan integriert werden?

Auch das war Aufgabe der Klassen und wurde hervorragend umgesetzt. Sicherlich hat die Verarbeitung dieser Daten beim ersten Mal ein wenig Mühe bereitet, aber bei der nächsten Vermessung werden die Studierenden diese Aufgabe mit mehr Routine bewältigen. Zumal es immer wieder schwierig ist, unterschiedliche Aufmaße zu einem korrekten Bestandsplan zu vereinen. Dieser ist nun Grundlage für die Bewässerungsplanung auf dem Grundstück und eine typische Aufgabe für einen innovativen und nachhaltig operierenden Landschaftsbaubetrieb.

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Aufgrund der guten Erfahrungen wird diese Art der Fortbildung in Kooperation mit der Fa. CCS sicherlich zum alljährlichen Repertoire in der Ausbildung der Fachschule gehören, damit unsere Absolventen gut auf ihre späteren Aufgaben bei Vermessungen im GaLaBau vorbereitet sind. Dann wird auch der Laserscanner (Leica ScanStation) zum Einsatz kommen, mit dem  auch heute schon terrestrische Aufmaße digital im 3-D Format für große Außenanlagen möglich sind.

Alle Studierenden der Fachschule haben nach der Fortbildung nun jederzeit die Möglichkeit, sich in Absprache mit den Fachlehrern digitale Messgeräte für Projekt- und Abschlussarbeiten kostengünstig bei der Fa. CCS auszuleihen, um ihre Kenntnisse zur digitalen Vermessungstechnik zu vertiefen. Und dieses Angebot werden die ersten Studierenden bereits im Winter für ihre Abschlussarbeiten nutzen, um nach bestandener Prüfung ab Sommer 2021 ihre Qualitäten potentiellen Arbeitgebern aus der grünen Branche unter Beweis zu stellen!

Klaus Pellmann

 

Ergebnisse der digitalen Vermessung

Plan mit Rohdaten des Aufmaßes mit dem Tachymeter (Gruppe 1)

Plan mit Rohdaten des Aufmaßes mit dem GPS-Messgerät (Gruppe 2)

Fertiger Bestandsplan als Planungsgrundlage für die Bewässerungsanlage (Klasse FT 91 L)

 

 

Bildnachweis
© 2020 Kl. Pellmann, Peter-Lenné-Schule