london 1 kleinAm Sonntag, den 10.06.2018, ist eine Gruppe mit Ausbildern und Lehrern nach London aufgebrochen, um die Auszubildenden der Peter-Lenné-Schule in ihren Londoner Betrieben zu besuchen. Gleichzeitig sollte es eine Fortbildung zum britischen Ausbildungssystem geben. Dazu gehört ein Besuch im Pershore College in „The Midlands“. Dies ist eine große Schule für die grünen Berufe.


Der erste Termin findet am Montag bei der Twin Group – der Partnerorganisation von GoEurope – statt. Hier erhalten wir Informationen zu einer Ausbildungsmöglichkeit, die für schon angestellte Mitarbeiter oder ungelernte Jugendliche vorgesehen ist. Das neue System sieht eine einjährige Fortbildungsform vor, in der sich die Jugendlichen im Selbststudium die allgemeine Fachtheorie aneignen. Sie werden in der kompletten Ausbildungszeit durch einen Mentor begleitet. Die Trainees erhalten ein Zertifikat, wenn sie alle Kriterien der Traineezeit erfüllen. Der britische Staat finanziert dieses System vollständig und unterstützt die Unternehmen mit einer Steuererleichterung. Der Vortrag mündet in einer intensiven Diskussion über Vor- und Nachteile der verschiedenen Bildungsmöglichkeiten im Partnerland und in Deutschland.
Ab Dienstag sind die Lehrer und Ausbilder bei den Auszubildenden in den Betrieben unterwegs. Der erste Ort ist für alle die Stepney City Farm – eine Art Kinderbauernhof. Diese Organisation bemüht sich, Kinder ein wenig mit Landwirtschaft vertraut zu machen. Die Finanzierung der Farm findet zu einem kleinen Teil durch die Stadt London statt, der Rest wird durch den Verkauf von Eiern, Fleisch, Pflanzen und Honig generiert. Auch kann der Städter ein kleines Stück Land zur Selbstversorgung mieten. Unsere Auszubildenden sind eine wichtige Unterstützung, da es nur zwei Hauptangestellte gibt. Weitere Hilfe erhält die Farm durch freiwillige Helfer.

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Nach diesem Besuch fährt die Gruppe der „Gärtner*innen“ zurück in den Stadtteil Peckham, um dort dem Ronald McDonald House einen Besuch abzustatten. Hier können Eltern, deren schwer kranke Kinder im King‘s College Hospital liegen, für wenig Geld übernachten, um in der Nähe ihrer Kinder zu sein. Alles wird durch Spenden finanziert. Und auch hier ist die Hilfe durch unseren Auszubildenden herzlich willkommen. Er soll den Vorgarten neu planen und Pflanzenspenden organisieren. Sowohl sprachlich als auch gärtnerisch ist es eine große Herausforderung. Regelmäßig erscheinen viele Freiwillige, die von unserem Auszubildenden angeleitet werden, um den Garten zu pflegen.
Die Gruppe der „Tierpfleger*innen“ setzt ihren Besuch am Nachmittag in Crystal Palace Farm fort. Die Farm gehört zu einem College. Einer der drei Auszubildenden kümmert sich um die Reptilien. Zu seinen täglichen Aufgaben gehört die Einrichtung/ Neugestaltung der Terrarien nach seinen Vorstellungen, das Füttern und das Beobachten der Tiere. Die anderen beiden Auszubildenden arbeiten mit Kleintieren. Sie gestalten ebenfalls die Tieranlagen neu und zum Teil übernehmen sie veterinärmedizinische Aufgaben. Teilweise leiten die Auszubildenden die Freiwilligen und Studenten an. Die Manager der Farm sind sehr an einem Austauschprogramm mit unserer Schule vor allem im Bereich Landschaftsbau interessiert.
Für den Mittwoch sind Besuche im Alexandra Palace Garden Centre, auf der Vauxhall Farm und in Kew Garden geplant.

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Die Vauxhall Farm liegt in einer sehr schönen, eher wohlhabenden Umgebung. Dort sind zwei Auszubildende aus Deutschland. Sie arbeiten dort sehr selbstständig. Zu ihren Tätigkeiten gehören das Versorgen der Tiere und deren Beobachtung, insbesondere der zwei Kälbchen. Der Schwerpunkt der Farm liegt darauf, Kindern und Jugendlichen aus dem Viertel den Umgang mit Tieren näher zu bringen. Die Farm finanziert sich über Spenden, Reitstunden, ein Café und einen Souveniershop.
Das Alexandra Garden Centre ist ein kombinierter Betrieb aus Gartencenter und Gartengestaltung. Im Center werden hochwertige Pflanzen und Gartenzubehör verkauft. Nach zwei Wochen Pflege im Garden Centre wird unser Schüler in die Gartengestaltung wechseln und vorwiegend in Privatgärten arbeiten. Er muss dort jeden Tag eine Pflanze lernen – vom Chef angeordnet.
Nachmittags besuchen wir gemeinsam unsere beiden Auszubildenden in Kew Gardens, dem botanischen Garten Londons. Die Auszubildenden sind in unterschiedlichen Reviere eingeteilt. Einer im Arboretum, der andere in einem der Staudengärten. Beide sind dort überwiegend mit Pflege- und Pflanzarbeiten beschäftigt. In diesem Zusammenhang „entbrennt“ eine rege Diskussion, ob es sinnvoll ist, ein rundes Pflanzloch auszuheben oder ein eckiges, wie es die Gärtner*innen in Kew tun. Angeblich soll dies den Blumentopfeffekt verhindern. Es wird überlegt, einen Versuch in Berlin zu starten. Allerdings müsste man nach einiger Zeit die Pflanze wieder ausbuddeln, um das Wurzelwachstum zu beurteilen. Danach bleibt noch Zeit, sich Teile des Gartens anzuschauen. Jedoch ist schnell klar, dass zwei Stunden für diese Unterfangen deutlich zu wenig sind!
Um alle Auszubildenden gemeinsam zu treffen, verabreden wir uns mit der Gruppe am Mittwochabend im „The Peckham Pelican“. So ist es uns möglich, auch den einzigen Schüler zu sprechen, den wir nicht auf der Arbeit besuchen konnten. Er arbeitet in einem Betrieb, der „Premium“-Privatgärten baut und pflegt.
Die Auszubildenden äußern sich sehr positiv über die Unterbringung in den Gastfamilien und empfinden das Praktikum als eine große Bereicherung! Es ist wirklich schön zu sehen, dass sich die Auszubildenden wohlfühlen, zusammenhalten und sich außerhalb der Arbeitszeiten treffen, um sich gemeinsam London anzuschauen und Spaß zu haben.
Alle Vorgesetzten und Mitarbeiter der Unternehmen loben unsere Auszubildenden und äußern sich positiv über ihre Leistungen und ihr Verhalten. Wir können stolz auf unsere Azubis sein!
Donnerstagmorgen geht es dann mit dem Zug nach Pershore. Dies liegt zwei Stunden nördlich von London in Mittel-England, in der Nähe von Birmingham. Nach einem netten Empfang von drei Mitarbeiterinnen aus dem Managementbereich inklusive Lunch, stellen uns diese die Bildungsgänge des Colleges vor. Anschließend gibt es eine Führung über den gartenbaulichen Teil des Geländes mit Verkostung von selbst gekeltertem Cidre. Nach getaner Arbeit gibt es Fish & Chips im örtlichen Pub. Übernachtet wird in dem Internat des Colleges.
Am letzten Arbeitstag erhalten wir nach dem Frühstück eine Führung durch die Tierabteilung und die Freigehege. Esel streicheln und Schweine striegeln erwünscht. Nach dem Lunch gibt es noch eine abschließende Fragerunde. In der Runde äußert sich die Leiterin des Pershore College sehr interessiert an einem Schüler- und Azubi-Austausch mit der Peter-Lenné-Schule, was auch von unserer Seite sehr positiv gesehen wird. Dann ist Freizeit und wir machen uns auf den Weg nach Pershore.
Morgen geht es zurück mit dem Zug über London und dann mit dem Flieger nach Berlin!

An dieser Stelle möchten wir Erasmus+ und GoEurope herzlich für die Förderung dieser Reise danken.

 

Text: F. Gelissen, B. Hennies, M.Baumann, K. Gilberg          Fotos: K. Gilberg, F. Gelissen

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