Stunde des Buches 2004 - 5 nach 12 ?

Förderung von Lesekompetenz an der Peter-Lenné-Schule

Mittwoch, 17. November 2004

 


„Der Zug ist zwar abgefahren, aber es muss demnächst ein anderer kommen."

So lässt sich die Stimmungslage bei Lehrern und Schülern der Peter-Lenné-Schule / Oberstufenzentrum Agrarwirtschaft beschreiben.

image002Vor wenigen Monaten musste die Betreuerin der OSZ-Bibliothek ihren Arbeitsplatz räumen, der nach einem Sparbeschluss der Schulverwaltung ersatzlos gestrichen wurde und im sogen. Stellenpool des Landes Berlin verschwand.

Wie kann es zusammen passen, fragten sich Lehrerinnen und Lehrer, heute die Lesemängel der Schüler zu beklagen und ihnen umgehend das naheliegendste Leseangebot zu nehmen?

Wie kann es zusammen passen, als Modellschule am Projekt Eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten teilzunehmen und gleichzeitig die wichtigste Grundlage dafür zu verlieren?

Wie kann es zusammen passen, den Schülern die Botschaft lebenslangen Lernens zu vermitteln und ihnen gleichzeitig das nach wie vor wichtigste Medium zu entziehen?

Alle waren einig darin, sich mit der Situation nicht abzufinden.

Wie in der Veranstaltung im Vorjahr, als noch Hoffnung bestand, den kulturellen Aderlass abzuwenden, füllten am 17. November rund 80 Schüler, Lehrer und Gäste die Bibliothek der Peter-Lenné-Schule. Unter den Gästen befanden sich Herr Grille, Präsident des Präsident des Landesverbandes Gartenbau und Landwirtschaft Berlin-Brandenburg e.V., Herr Werda, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen sowie Herr Bormann und Herr Traeger, beide IG BAU.

Schülerinnen und Schüler aus berufsvorbereitenden Lehrgängen und der Berufsschule lasen Gedichte und Geschichten ihrer Wahl aus Büchern der „Peter-Lenné-Bibliothek". Aus den Fachoberschulklassen präsentierten Schülerinnen und Schüler ihr persönliches Wort des Jahres 2004 (offiziell „Habseligkeiten") anhand selbst gefertigter Collagen und Zeichnungen.

image004 Als Profi in diesem Kreis las Frau Christa Hasselhorst, freie Journalistin - früher tätig u. a. bei der Zeitung „Die Welt" und als Pressesprecherin der Hamburgischen Staatsoper - , aus ihrem Buch „Meister der Gartenkunst" das Kapitel über den wohl berühmtesten französischen Gartenbaumeister LeNotre.
image006 Vom großen Interesse des Publikums überrascht, versprach Frau Hasselhorst im nächsten Jahr wiederzukommen, wenn die Schule auf die Einweihung ihres heutigen Standortes vor 50 Jahren zurückblicken kann.

Meister_der_Gartenkunst

Christa Hasselhorst:
Meister der Gartenkunst
Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2004
ISBN-10 3894791381
ISBN-13 9783894791384
Gebunden, 160 Seiten, 29,90 EUR

Rezension auf perlentaucher.de

Einer Umfrage des BIBB und der Deutschen Industrie- und Handelskammer aus dem Jahr 2003 zufolge können viele Lehrstellen nur schwer oder gar nicht besetzt werden. Als maßgeblichen Grund nennen die Betriebe die mangelnde Qualifikation der Bewerber. Betriebe wünschen sich von Auszubildenden als zweitwichtigste Eigenschaft nach Zuver-lässigkeit (94 %) Beherrschen des Lesens, Schreibens, Rechnens (91 %) weit vor Leistungsbereitschaft, Freundlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Belastbarkeit.

Legt man das Leseverhalten und die Lesefähigkeit heutiger Schüler zu Grunde, dann hatten die „Mütter und Väter" der Oberstufenzentren Recht mit ihrer Intention, die Schulbibliotheken auch baulich im Zentrum der OSZ zu planen. Als Treffpunkt mitten in der Schule sollten sie helfen, Schwellenängste der Schüler zum Buch abzubauen. Diese Aufgabe konnte die Bibliothek der Schule über viele Jahre erfolgreich erfüllen.

Fazit: „Die Hoffnung stirbt zuletzt." Es wäre nicht nur schön, sondern ist ausgesprochen notwendig, eine Renaissance der OSZ-Bibliotheken noch miterleben zu können.

Leimgruber /OSZ-Koordinator

 


Siehe auch: