Stunde des Buches - 5 vor 12

Förderung von Lesekompetenz an der Peter-Lenné-Schule

Diskussion „Schulbibliothek - Luxusartikel oder Grundlage eines beruflichen Kompetenzzentrums ?"

am Dienstag, dem 28. Oktober 2003

 


Es ist nie zu spät...", dachten sich einige Lehrerinnen und Lehrer der Peter-Lenné-Schule/Oberstufenzentrum Agrarwirtschaft, als sie nach den Sommerferien vom Sparbeschluss der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport erfuhren, die Stelle der OSZ-Bibliothekare ab 2004 zu streichen. Wie kann es zusammen passen, fragten sich nicht nur sie, heute die Lesemängel der Schüler beklagen und ihnen morgen das naheliegendste Leseangebot nehmen? Wie kann es zusammen passen, als Modellschule am Projekt Eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten teilzunehmen und gleichzeitig die wichtigste Grundlage dafür zu verlieren? Wie kann es zusammen passen, den Schülern die Botschaft lebenslangen Lernens zu vermitteln und ihnen gleichzeitig das nach wie vor wichtigste Medium zu entziehen? Das allgemeine Unverständnis setzte viele Ideen frei, sich mit der Situation nicht abzufinden.

Rund 80 Schüler, Lehrer und Gäste füllten am 28.Oktober die Bibliothek der Peter-Lenné-Schule. Mit großem Vergnügen lauschten sie Frau Marlies Menge (Journalistin „Die Zeit"), die aus eigenen Werken, aber auch aus Erzählungen von Karl Foerster und Helga Schütz vorlas. Dazu hatten sich Schüler/-innen der Berufsbefähigenden Lehrgänge und der Berufsschule auf das Podium gewagt und trugen - mit reichlich Beifall belohnt - sogar eigene Gedichte vor.

Eingeladen waren weiterhin neben Frau Marianne Foerster (Karl-Foerster-Haus/ Potsdam) und Herrn Peter Herling (ehem. Amt für Gartendenkmalpflege/Potsdam) insbesondere Vertreter der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, der Fachverbände und der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien. Leider gab es trotz rechtzeitiger Einladung viele Absagen; die aber daran nichts änderten, dass die letztlich Erschienenen die Veranstaltung als gelungen einstuften und das Bestreben der Schule und der Schüler als wichtig und richtig ansahen.

Das anschließende Diskussionsmotto „Schulbibliothek - Luxusartikel oder Grundlage eines beruflichen Kompetenzzentrums?" einte die Beteiligten ganz unerwartet.

Herr Oberschulrat Reinhard Schnadwinkel schilderte, wie er selbst vor über 25 Jahren an der Konzeption der Oberstufenzentren mitwirkte. Damals wurden die Bibliotheken auch baulich als Mittelpunkt der OSZ geplant. Als Treffpunkt mitten in der Schule sollten sie Schwellenängste der Schüler abbauen helfen. Sich und seine Kollegen der Schulverwaltung sieht er heute den Sparvorgaben der Politik ausgesetzt, denen im nächsten Jahr die Stellen der Bibliotheks-Assistent/-inn/-en zum Opfer fallen.

Für Herrn Hans-Jürgen Pluta, Präsident des Landesverbandes Gartenbau und Landwirtschaft Berlin-Brandenburg e.V., war die Veranstaltung nach seinen Worten ein eindrucksvoller Beweis, welchen Stellenwert die Schüler dem Lesen beimessen. Für den Landesverband sprechend, kündigte er an, alles zu tun, um diese durch eine Fachkraft zu betreuende Bibliothek zu erhalten.

Auch Herr Rainer-Michael Lehmann, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, zeigte großes Interesse am Erhalt der Bibliothek, die er sich schon Wochen zuvor vom Schulleiter Werner König hatte zeigen und im pädagogischen Zusammenhang erklären lassen. Er sah kaum Chancen, diesen Sparbeschluss in der zweiten Lesung im Abgeordnetenhaus zu stoppen, zeigte aber die Möglichkeit des Petitionsverfahrens auf.

Einen der zahlreichen Schülervorschläge, sich z. B. mit monatlichen Zahlungen am Erhalt der Personalstelle in der Bibliothek zu beteiligen, fand Herr Oliver Hoch, Geschäftsführer des Fachverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Berlin/Brandenburg e. V., besonders anerkennenswert. Viel Zustimmung erhielt seine Äußerung, dass sich der Staat jedoch zu seinen grundgesetzlich verankerten Kernaufgaben, zu denen unbestritten die Bildung zählt, weiterhin bekennen und entsprechende Mittel bereitstellen müsse.

Fazit: Auch wenn man die Zeit letztlich nicht anhalten kann, bleibt doch zu fragen, wie weit man das Rad der Berufsschulgeschichte ohne Verlust an Ausbildungsqualität zurückdrehen darf.

Leimgruber /OSZ-Koordinator

 


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