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Landesstelle für gewerbliche Berufsförderung in Entwicklungsländern

an der Peter-Lenné-Schule / Oberstufenzentrum Natur und Umwelt Berlin
Bezirk Steglitz-Zehlendorf


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Die Landesstelle ist eine Fortbildungseinrichtung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft für Lehrkräfte schulischer und betrieblicher Ausbildungsstätten aus Partnerländern.

Programmangebot

Das Fortbildungsangebot der Landesstelle konzentriert sich auf die Fachrichtungen

  • Wassermanagement (Wasserversorgung/Wasserentsorgung)
  • Regenerative Energien

Zwei Projekte illustrieren unsere Tätigkeit beispielhaft. Dabei handelt es sich um

  • BELARE, das BioEnergie-Labor für Regenerative Energieformen auf dem Gelände der Peter-Lenné-Schule, und
  • das Projekt Bassossa. Ziel ist der Bau eines regionalen Bildungszentrums für nachhaltige Entwicklung in einer Gemeinde Westkameruns.

 

Gründung und Zielsetzung

Das Land Berlin fördert seit über 40 Jahren in Abstimmung und Kooperation mit dem Bund den Auf- und Ausbau von leistungsfähigen Berufsbildungssystemen in weiten Teilen der Welt.
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Die Landesstelle Berlin wurde im Rahmen des übernommenen Länderbeitrags zur Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 1963 gegründet. Damit schuf das Land Berlin eine Weiterbildungseinrichtung, in der seit Bestehen über 2500 Lehr- und Fachkräfte aus ca. 70 Ländern der Erde erfolgreich qualifiziert wurden. Der Ausbau der Einrichtung mit Landesmitteln ermöglichte in den letzten Jahren eine kontinuierliche Weiterbildung von 50 Technischen Lehrkräften pro Jahr, die heute zum großen Teil in führenden Positionen in ihren Heimatländern tätig sind.

Die Landesstelle untersteht direkt der Fach- und Dienstaufsicht der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, die auch die Kosten der Einrichtung trägt. Unterstützt wird die Arbeit der Landesstelle durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen in Kooperation mit der gewerblichen Wirtschaft.

Bei der Organisation und Durchführung der Fortbildungsprogramme arbeitet die Landesstelle eng mit InWEnt (Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH) zusammen.

Zielgruppe

Das Fortbildungsangebot der Landesstelle richtet sich an ausländische Fachkräfte und Führungskräfte, die über eine abgeschlossene Berufsausbildung im jeweiligen Fachgebiet sowie über Berufserfahrung als Lehrer oder Ausbilder verfügen und sich als technische Lehrkräfte für schulische oder betriebliche Ausbildung bzw. Lehrerweiterbildung qualifizieren wollen.

Ziele der Fortbildungsprogramme

Die Fortbildung zielt auf:

  • die Vertiefung und Erweiterung fachlicher Kenntnisse und Fertigkeiten;
  • den Erwerb, die Vertiefung und Anwendung didaktischer und methodischer Kenntnisse;
  • den Erwerb von Fähigkeiten zur Planung und Durchführung theoretischen Unterrichts und praktischer Unterweisung;
  • den Einsatz und die Erprobung selbstentwickelter Lehr- und Lernmittel;
  • Sensibilisierung für Umwelt, Ressourcenschutz und Arbeitssicherheit;
  • die Fähigkeit zum Transfer erworbener Kenntnisse und Fähigkeiten auf die Bedingungen der Heimatländer;
  • den Erwerb von Kenntnissen zur Beratung von Betrieben und Schulen in den Heimatländern  in Fragen der Betriebsorganisation und Betriebsführung sowie der betrieblichen Aus- und Weiterbildung.

Die Fortbildungsmaßnahmen werden praxisorientiert und berufsnah durchgeführt, wobei auf eine enge Verknüpfung von Theorie und Praxis besonderer Wert gelegt wird. Wesentliche Ziele der Fortbildung sind die Förderung der Selbstständigkeit der Stipendiaten und die Vermittlung der beruflichen Handlungskompetenz.

Inhalt des Fortbildungsprogramms „Wassermanagement“

Der Bedarf an Trinkwasser in Europa und den Entwicklungsländern wächst ständig. Gleichzeitig wird ein großer Teil des anfallenden Niederschlagswassers nutzlos abgeleitet und  führt zur Überlastung der Vorfluter und Flüsse. Überflutungen und Hochwasser sind die Folge. Neben diesen ökologischen Gesichtspunkten spielen die Kosten für Wassergewinnung und – entsorgung eine immer größere Rolle und stellt viele Kommunen und öffentliche Einrichtungen vor finanzielle Probleme. Das Wassermanagement ist eine Antwort auf den verschwenderischen Umgang mit dem kostbaren Gut Wasser.

Wassermanagement ist das Auffangen, die Nutzung und Versickerung von anfallendem Regenwasser auf Grundstücken. In Verbindung mit moderner Versorgungstechnik können Abwasser- und Trinkwassergebühren gespart werden. Das Wasser wird im natürlichen Kreislauf belassen und eine nachhaltige, dezentrale Wasserwirtschaft gefördert.

Die Voraussetzungen für Einsatz und Erprobung des Wassermanagements sind an der Peter-Lenné-Schule, dem OSZ Natur und Umwelt, ideal. Versiegelte Bodenflächen (Pflasterbeläge), ein großer Anteil an Dachflächen und der hohe Verbrauch an Trinkwasser zur Bewässerung der landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Flächen erfordern eine Kombination verschiedenster Verfahren zur Wassergewinnung und -verwendung. Es ist ein wesentlicher Schwerpunkt im Rahmen des Bildungsangebotes an der Landesstelle für gewerbliche Berufsförderung in Entwicklungsländern an der Schule

Folgende Unterrichtsinhalte werden im Rahmen der beruflichen Weiterbildung unter Berücksichtigung neuester handlungs- und projektorientierter Pädagogik vermittelt:

  • Aufbau und Funktionen von Dachbegrünungen zur Reduzierung der anfallenden Wassermenge
  • Aufbau, Funktionsweise und Unterhaltung von Zisternenbauwerken zum Auffangen anfallenden Niederschlagswassers mit Berechnungsbeispielen
  • Planung, Bau und Unterhaltung einer multifunktionalen Wasseranlage (Wasserrückhaltebecken) mit biologischer Reinigungsstufe durch Repositionspflanzen zur Wasserklärung
  • Bau und Funktionsweise von Grundwasserbrunnen zur eigenen Wassergewinnung mit Pumpen- und Versorgungstechnik
  • Methoden der dezentralen Versickerung (Flächen-, Schacht-, Mulden-, Rigolen- und kombinierte Bauweisen) zur Grundwasseranreicherung mit angewandten Berechnungen
  • Entsiegelungsmaßnahmen zur Verbesserung der Wasserrückhaltung auf Grundstücken unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte
  • Planung, Bau und Betrieb von Bewässerungsanlagen zur Gieß- und Sprengwasserversorgung landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzter Anbauflächen

Das Wassermanagement ist zusammen mit Solarthermie und Photovoltaik ein zukunfts- und richtungsweisendes Konzept und wesentlicher Baustein der ökologischen und nachhaltigen Bewirtschaftung ländlicher und städtischer Räume.
Der Standort am OSZ Natur und Umwelt bietet hierzu beispielhafte Projekte in Theorie und Praxis mit Vorbildcharakter für  öffentliche Institutionen und private Interessenten.

Inhalt des Fortbildungsprogramms „Regenerative Energien“

Für rohstoffarme oder mit geringer Energieinfrastruktur ausgestattete Länder ist eine Entwicklung kleiner, dezentraler Energiesysteme sinnvoll. Besonders geeignet sind dafür regenerative Systeme auf der Basis thermischer und photovoltaischer Anlagen.

Didaktischer Schwerpunkt ist die Verbindung theroretischer Kenntnisse mit handwerklicher Umsetzung.

Inhalte der Solarthermie:

  • Messung der Solarkonstanten und praktische Bestimmung des Sonnenwinkels.
  • Aufbau, Funktionsweise und die Berechnung von thermischen Solaranlagen.
  • Bau eines Solarkollektors kleiner Leistung für eine Thermosyphonanlage. Hier werden in der Werkstatt die Absorber selbst hergestellt und überprüft.


Inhalte der Photovoltaik:

  • Aufbau und Funktionsweise von elektrischen Solarzellen.
  • Praktische Messungen von Kennlinien von elektrischen Solarzellen und Solarmodulen.
  • Aufbau von einfachen Solaranlagen mit einem Energiespeicher (Inselanlagen).
  • Berechnung und Dimensionierung einer photovoltaischen Inselanlage nach einer Verbraucheranalyse.
  • Praktische Übungen am photovoltaischen Übungsbrett. Verschaltung einer Inselanlage mit anschließender Überprüfung der Funktion und Fehlersuche.

Die selbst gebauten Kollektoren können die Teilnehmer nach Beendigung des Kurses in ihre Heimatländer mitnehmen.

Die Programme werden durchgeführt als Langzeitmaßnahmen über 12 Monate in deutscher Sprache oder als Kurzzeitmaßnahmen bis 6 Monate in deutscher oder englischer Sprache bzw. Landessprache mit Dolmetscher.

Organisation der Fortbildung

Die Lehrkräfte realisieren ein modernes pädagogisches Konzept, welches Praxis und Theorie unter den Leitgedanken von Kompetenz- und Handlungsorientierung verknüpft und curricular auf angepasste Technologien und deren pragmatischen Transfer besonderen Wert legt.

Die Planung und Organisation der Programme berücksichtigen Qualifikationsniveau der Stipendiaten, Gegebenheiten in ihren Heimatländern und – im Rahmen der Möglichkeiten von Gruppenprogrammen – besondere individuelle Wünsche.

Für die komplexen Lerninhalte der Berufsfelder wurde ein Modulsystem entwickelt, das aus in sich abgeschlossenen Fortbildungseinheiten besteht. Diese Module bauen aufeinander auf und vermitteln durch enge Verzahnung von Theorie und Praxis die Kenntnisse und Fertigkeiten für die berufliche Qualifikation. Bei den Langzeitprogrammen ist im letzten Fortbildungsabschnitt ein betriebliches Praktikum vorgesehen.

Zusammenarbeit mit Fortbildungseinrichtungen und Kooperationspartnern

Die Programme werden zusammen mit dem Handwerk, der Industrie und den berufsfeldbezogenen Oberstufenzentren des Landes Berlin durchgeführt. Außerdem werden bei den Lehrgängen die speziellen Angebote überbetrieblicher Ausbildungsstätten für die praktische Qualifikation genutzt.

In der nächsten Zeit ist z. B. eine enge Zusammenarbeit mit der Berlin School of Mines geplant.

Unterkunft und Betreuung

Für die Dauer ihrer Fortbildung wohnen die Stipendiaten in möblierten Appartements eines zentral gelegenen Wohnheimes. Das Anmieten der mit Bad und kleiner Küche ausgestatteten Wohnungen erfolgt durch InWEnt.

Klaus Pellmann, OStR


Seit August 2007 ist Herr Pellmann zuständig für „Fachleitung Wassermanagement und Koordination der Landesstelle“.

 


Siehe auch:

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