50 Jahre Staatliche Fachschule für Gartenbau Berlin

Auszug aus dem Mitteilungsblatt der Vereinigung Gartenbauschule Berlin e.V. (Jg. 50/Heft 2/Juli 2005)

Wir bedanken uns bei dem langjährigen Leiter der Peter-Lenné-Schule in Berlin-Zehlendorf, Herrn Oberstudiendirektor i. R. Horst-Günter Kusber für einen Vortrag zum 50jährigen Bestehen der Staatlichen Fachschule für Gartenbau Berlin und ihrer Vorgänger am Rande unserer Jahreshauptversammlung 2005, den wir hier mit freundlicher Genehmigung in verkürzter Version wiedergeben.


Horst-Günter Kusber


Herr Vorsitzender,
meine sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gärtnerkolleginnen und Gärtnerkollegen!

Die Gartenbauschule Berlin ist vor genau 50 Jahren in Dahlem gegründet worden. Es gilt also ein Jubiläum zu feiern. Grundsätzlich ist es richtig und gut, sich dieses Ereignisses zu erinnern. Es ist aber auch hilfreich, denn das Erinnern an eigenes, im Entschwinden begriffenes Erleben ist wesentlich, den eigenen Standort zwischen Vergangenem und Zukünftigem zu erkennen.

Vor 50 Jahren, also im April 1955, wurde die Gartenbauschule Berlin als Fachabteilung zur Ausbildung von Gärtnermeistern an der Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau Berlin eröffnet. Ihre Anfänge bereits sind gekennzeichnet durch Namen mit gutem Klang. Dr. Breschke war Schulleiter und der einzige hauptamtliche Lehrer. Ihm zur Seite standen eine Reihe sogenannter „nv-Dozenten" als nicht vollbeschäftigte Lehrkräfte. Erinnert sei an Diplomgärtner Kronberg, Regierungsamtmann Jelitto, Gartenarchitekt Herfort, Diplomgärtner Grundwald, Dr. Plate u. a..

Den schwierigen Anfang belegen erwähnenswerte Aufzeichnungen, so im Mai 1958 die Anschaffung eines Vervielfältigungsgerätes, eines Tonbandgerätes und eines Mikroskops. März 1959 wird zur Erstellung detaillierter Stoffpläne aufgerufen. Ab 1960 werden Zwischenprüfungen zur besseren Beurteilung des Leistungsstandes eingeführt. Gleichzeitig wurde das Unterrichtsangebot durch Einführung dreisemestriger Abendlehrgänge erweitert.

Der planmäßige Unterricht wurde durch viele Sondervorträge von Fachleuten und Spezialisten ergänzt, so durch die Herren Schlösser, Schellenberg, Noack, Daedlow, Winkler, Severin, Grotenhaus, Blessing, Besserer, Dr. Zander und die Professoren Rossow und Hammerbacher. Dazu kamen ungezählte Betriebs- und Baustellenbesichtigungen, Besuche bei Behörden und von Friedhöfen. Wichtig war bei diesem „Berliner Modell" der Fachschule offenbar die Vielfalt der Eindrücke, denn die Schule mit wöchentlich drei Unterrichtstagen forderte drei Praxistage im Betrieb als festen Bestandteil der Ausbildung. Den Nachweis des Betriebes hatte man vor Aufnahme der Schule zu erbringen. Der Stundenplan sah im Schnitt 15 Unterrichtsfächer vor.

 

Freilich hatte diese Schulgeschichte auch „Vorgeschichte": Ab 1922 gab es an der Berufschule Zehlendorf Meisterkurse für Gärtner und Blumenbinder, besonders gefördert durch den Lehrer und späteren Direktor Jessen. Nach dem Kriegsende wurden Meisterkurse für Gärtner vom „Hauptamt für Berufserziehung und Berufslenkung" veranstaltet, die seit den fünfziger Jahren als Abendkurse in Zehlendorf mit den Herren Hofmeister und Mielenz eine Fortsetzung fanden.

Der 1949 gegründete „Landesverband Gartenbau und Landwirtschaft Berlin" bemühte sich mit großem Nachdruck um eine „richtige" Fachschule in Berlin. Namentlich hervorzuheben sind hier die Herren Grotenhaus und Schellenberg. Das BML erließ 1953 die Zusage, Mittel für die Errichtung einer „richtigen" Landwirtschaftsschule in Berlin bereit zu stellen. Mühsam war der Weg bis zum entsprechenden Senatsbeschluss vom 1.11.1954.

Die TASPO titelte nach genau zehn Jahren „Meisterschule mit besonderer Note" und hob zwei Unterrichtsmerkmale gegenüber de Fachschulen in der Bundesrepublik hervor: 1. Unterricht an drei Tagen mit je acht Stunden im zweisemestrigen Lehrgang bzw. an drei Abenden mit je vier Stunden im dreisemestrigen Abendlehrgang. 2. Ein Lehrkörper aus nv-Dozenten, die den Praxisbezug des Unterrichts gewährleisten. Als Mangel wird das Fehlen von Versuchsflächen im Freiland und unter Glas genannt.

Die Schülerzahlen des ersten Jahrzehnts sind mit 318 Tages- und 274 Abendschülern beachtlich. Offen bleibt jedoch das Zahlenverhältnis zwischen Schülern und erfolgreichen Absolventen nach bestandener Meisterprüfung. Im Beitrag der TASPO wird aber kritisch gefragt, ob 960 Stunden Unterricht wirklich reichen, wenn die Schwesteranstalten in der Bundesrepublik 1.200 bis 1.400 Stunden für erforderlich ansehen und auch anbieten.

Neben lobenden Aussagen von Beteiligten und früheren Schülern, beispielsweise über den schulinternen Wettbewerb zur Gestaltung des kleinen Schulgartens, das Wachsen der Lehrmittelsammlung oder der Bibliothek auf 500 Bände Fachliteratur und 24 Fachzeitschriften, stehen aber auch Äußerungen kritischen, ja sogar anklagenden Charakters über verworrene Zustände, sich häufende Unterrichtsausfälle und die Primitivität der Fachschule. Offenbar ist manche Unzufriedenheit bei den Schülern dem Umstand geschuldet, dass es für den erkrankten Schulleiter Dr. Breschke keine hinlängliche Vertretung gab. Zehn Jahre nach seinem Amtsantritt wurde er 1965 in den Ruhestand versetzt.

 

Einen Neubeginn voller Hoffnung wagte Diplomgärtner Johann Kirschstein als neuer einziger hauptamtlicher Lehrer und Schulleiter im Oktober 1965 mit teilweise verjüngtem Team der nv-Dozenten, u. a. mit den Herren Birr, Opitz, Großmann, Redlin, Poetschke und Schenke. Vieles aber bleibt offen, die Verlegung des Schulstandortes, der Aufbau eines Schulgartens mit Demonstrations- und Versuchsfläche, Verbesserung der Unterrichts- und Arbeitsbedingungen, denn der Standort Iltisstraße liegt im Erweiterungsbereich der FU.

Seit April 1971 ist die Staatliche Fachschule für Gartenbau Berlin interimsmäßig der Staatlichen Technikerschule zugeordnet, die Staatliche Ingenieurschule für Gartenbau wurde Teil der Technischen Fachhochschule. Deutlich zeichnet sich ein Umbruch und eine Neuorganisation des gesamten Fachschulwesens in Berlin ab. Im September 1972 erfolgte der Umzug der Fachschule nach Zehlendorf, am 2. Oktober 1972 beginnt der 34. Lehrgang zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung in frisch renovierten Unterrichtsräumen der Peter-Lenné-Oberschule.

 

Der Studiengang zum staatlich geprüften Gartenbautechniker beginnt 1973. Neben einem breiten Grundlagenwissen einschließlich der Berufs- und Arbeitspädagogik wird der Unterricht in den Anwendungsfächern, besonders im 3. und 4. Semester, verstärkt. Der zukünftige Techniker soll neben seiner Fachqualifikation die fachliche und die berufs- und arbeitspädagogische Ausbildereignung besitzen. 1975 fanden die ersten Technikerprüfungen statt.

Um den größer gewordenen Aufgaben und Unterrichtsfächern entsprechen zu können, musste auch das Kollegium der Fachschule wesentlich erweitert werden. Erinnert sei hier an die Herren Dr. Plate, Birr, Kirschstein, Schlegel, Schwand, Nimmann, Kraft, Redlin, Polatzek und die Damen Metzger und Rießler. Das Sekretariat blieb in den bewährten Händen von Frau Menz.

Dem Kuratorium der Fachschule standen Herr Herbert Gies und seit 1979 Herr Prof. Dr. Plate vor. Seit Beginn des Schuljahres 1979/80 ist die Fachschule Teil des neu begründeten Oberstufenzentrums Agrarwirtschaft in Berlin-Zehlendorf. Mit der Schlüsselübergabe am 20.6.1980 wurde der OSZ-Erweiterungsbau offiziell seiner Bestimmung übergeben und festlich eingeweiht.

Berlin, 16. März 2005

Horst-Günter Kusber